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caissa schach chronik - Fernschach

Chronik des Fernschachs

Von der WM bis zur Bundesliga

Auch wenn der Begriff „Fernschach“ erst im 20. Jahrhundert von der Schweizer Schachzeitung geprägt wurde, fand die erste nachvollziehbare Fernschachpartie bereits 1804 zwischen den beiden niederländischen Städten Breda und Den Haag statt. Deutlicher in Erinnerung blieb jedoch der Kampf zwischen Edinburgh und London, den die Schotten 1828 mit 2:1 Siegen für sich entscheiden konnten. Die so erfolgreiche angewandte Eröffnung taufte man im Anschluss Schottische Partie.

Fernschach im Laufe der Zeit

Beginn der Fernschach-Weltmeisterschaften Beginn der Fernschach-Olympiaden Erste Fernschach-WM der Frauen Erste Fernschach-Olympiade der Frauen Beginn der Fernschach-Bundesliga Beginn der Freechess-Mannschaftsliga Beginn der Champions League Beginn des caissa cups Beginn der Freechess-Einzelliga

Fernschach-Meilensteine

In den ersten 200 Jahren Fernschachgeschichte wurden die Züge normalerweise per Post ausgetauscht, zuweilen auch per Telegraph. Die erste bekannte telegrafische Partie spielten Howard Staunton und Henry Thomas Buckle im Jahre 1845. Telegrafische Partien führten jedoch zuweilen zu Verwicklungen: So soll Weltmeister William Steinitz Ende des 19. Jahrhunderts in Spionageverdacht geraten sein, als er telegrafisch eine theoretische Meinungsverschiedenheit zu Evans-Gambit und Zweispringerspiel im Nachzug mit Michail Tschigorin spielerisch erörterte. Nicht nur in diesem Fall setzten sich die Spieler mit der Notation einem Spionageverdacht aus. Vorher noch, 1884 bis 1886, fand ein von Michail Tschigorin organisiertes Fernschachturnier statt, das dieser selbst überlegen gewann.

Beliebt war Fernschach besonders, wenn sich Städte oder Länder miteinander messen wollten. Auch und gerade zur Zeit des Kalten Krieges wurden Vergleichskämpfe zwischen Ost und West gern gespielt. Durch die langen Postlaufzeiten zwischen den Blöcken oder auch über die Ozeane konnten sich Fernschachpartien über einen sehr langen Zeitraum hinziehen.

Verbände wurden gegründet, Wettbewerbe geschaffen

Der Ende 1928 in Berlin gegründete Internationale Fernschachbund IFSB war zwar nicht der erste internationale Fernschachverband, aber derjenige, der dem Fernschach Vorschub leistete. Bis zum Ausbruch des II. Weltkrieges zählte der IFSB bereits 20 Landesverbände.

In diesem Verband wurde 1936 auch die Idee zu einer Fernschach-Weltmeisterschaft geboren, was auch von der Fide und einigen prominenten Nahschach-Stars unterstützt wurde. In die Vorbereitungen hinein brach dann jedoch der II. Weltkrieg aus.

1947 fiel der Startschuss für die erste WM

So war es der International Correspondence Chess Association ICCA, die unmittelbar nach dem Krieg gegründet wurde, vorbehalten, den ersten WM-Zyklus im Fernschach ans Laufen zu bringen. 1947 begannen 78 Spieler aus 22 Ländern die Vorrunde zur ersten Weltmeisterschaft. Sechs Jahre später stand der Australier Cecil Purdy als erster Fernschach-Weltmeister fest. Der erste WM-Zyklus der Frauen begann dagegen erst 1965.

Wer Fernschach-Weltmeister werden wollte, brauchte stets eine Menge Geduld. Die Qualifikation für einen Zyklus winkte bei einem Sieg in einem Meisterklasseturnier. Doch jeder Zyklus besteht heute aus Vorrunde, Halbfinale, 3/4-Finale und Finale. Einst blieb den Spielern immerhin das 3/4-Finale oder Kandidatenturnier erspart. Bei der letzten postalischen WM, der 20., dauerte allein das Finale mehr als fünf Jahre.

Fernschachpostkarte

Fernschach-Postkarte

Fernschach im Team

Ebenfalls nach dem II. Weltkrieg wurde die Schacholympiade eingeführt. Auch diese wird als Rundenturnier ausgetragen, und auch hier ist eine Qualifikation erforderlich, die aber nur eine Runde umfasst. Zwar gehören der ICCF, dem heutigen, 1951 gegründeten Fernschachverband mehr als 70 Nationen an, doch genügt damit ein zweistufiger Zyklus. Dennoch konnte sich speziell eine postalische Olympiade natürlich über einen langen Zeitraum erstrecken. So gewann die DDR noch 1995, also fünf Jahre nachdem sie aufgehört hatte zu existieren, eine olympische Medaille.

Im Jahr 2004 begann nach einer umfassenden Qualifikation die Ära der Champions League, die als Liga mit Auf- und Abstieg angelegt ist. Hier spielen an jeweils vier Brettern Mannschaften gegeneinander, die nicht an einen Verband gebunden sind, oftmals sind es Vereine. Viele davon spielen sowohl in der internationalen Champions League als auch in der nationalen Bundesliga, die 1995 eingeführt wurde. Auch hier wird an vier Brettern gespielt, und auch hier ging eine umfassende Qualifikation voraus.

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In Deutschland erfreut sich Fernschach traditionell besonderer Beliebtheit. Der Deutsche Fernschachbund, wie er seit 1991 heißt, ist der größte nationale Verband der Welt. Zu seiner besten Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung gehörten rund 8.000 Spieler dazu. Bis 2005 ging die Zahl um mehr als die Hälfte zurück, seitdem steigt sie wieder an.

Schöne neue Fernschachwelt

Eine Ursache für den Rückgang oder auch die Verlagerung des Interesses waren die großen Umwälzungen, denen das Fernschach unterworfen war. Nacheinander lösten Fax, SMS, E-Mail und schließlich Online-Server die Postkarten ab. Dadurch konnte Fernschach viel schneller und bequemer gespielt werden. Die ICCF führte 1996 die neuen Übermittlungsmethoden ein, heute wird fast ausschließlich online gespielt.

Andererseits gehörten die tiefschürfenden Analysen, die wegen der Postlaufzeiten zuweilen möglich waren, nun eher der Vergangenheit an. Immer mehr überließ man das Analysieren nun aber auch den immer stärkeren Schach-Computern und -Programmen. Ein Spitzenspieler wie Joop van Oosterom rühmt sich z.B. damit, auf die besten Großmeister und Programme zurück zu greifen.

Durch den meist erlaubten Einsatz von Computern unterlaufen den Fernschachspielern kaum noch Fehler. Die „Kunst“ des Fernschachs besteht heute eher aus der korrekten Bewertung der Computeranalysen und deren Kombination mit menschlicher Intuition. Die Fernschachwelt ist durch diese Entwicklung inzwischen eine geteilte: Die einen haben die unkorrigierbaren Veränderungen durch die Computer hingenommen, andere betonen das menschliche Spiel. Auch für sie gibt es Angebote wie z.B. den Freechess-Server, bei dem engine-frei gespielt werden soll.

Online-Schach bei Freechess

2002 begann auf dem Online-Server Freechess die Mannschafts-Liga, die en passant auch diese Website hervorbrachte. Jedes Jahr wird in einer vierstufigen Liga der Freechess-Meister ermittelt. 2009 wurde auch eine Liga für Einzelspieler eingeführt, ein Jahr zuvor der Pokalwettbewerb caissa cup.

Internationales Fernschach bei caissa

Chronik
> Fernschach

Fernschach in der Chronik

Weltmeisterschaften

Männer: 1953, 1959, 1962, 1965, 1968, 1971, 1976, 1980, 1983, 1984, 1989, 1991, 1998, 2000, 2000, 2004, 2005, 2006, 2006, 20082010 • Frauen: 1972, 1977, 1984, 1992, 1998, 2005, 2006

Olympiaden

Männer: 1952, 1955, 1961, 1964, 1968, 1972, 1976, 1982, 1987, 1995, 1999, 2004, 2008, 2006, 2009 • Frauen: 1979, 1986, 1992, 1997, 2003, 2006, 2009

Champions League

2007, Ewige Tabelle

Bundesliga

1997, 1999, 2001, 2003, 2005, 2007, 2009, Ewige Tabelle

Freechess

Mannschaftsliga: 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, Ewige TabellenPokalEinzelliga

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Quellen und mehr Informationen

ICCF • Deutscher Fernschachbund • Freechess

Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bilder: US Census Bureau (Univac, gemeinfrei Details), Heinz Nixdorf Museum (Nixdorf, cc-by-sa 3.0 de Details), Marcin Wichary (Apple II, cc-by-sa 2.0 Details), PrixeH (C64, cc-by-sa 3.0 Details), Boffy b (Gameboy, gemeinfrei Details), André Karwath (Notebook, cc-by-sa 2.5 Details), Daniel Zanetti (iPhone, cc-by-sa 3.0 Details), Schach Niggemann (Karte, cc-by 3.0 Details)

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23.7.2010, 10.42 Uhr

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