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caissa schach chronik - SchacholympiadeKriegsbeginn überschattet das TurnierVIII. Olympiade in Buenos Aires
Deutschlands Überfall auf Polen 1939 machte die Schacholympiade erstmals außerhalb Europas Halt, im argentinischen Buenos Aires, was angesichts der Kriegsvorbereitung in der „alten Welt“ sicherlich ein ruhigeres Plätzchen darstellte. Dies gab vielen lateinamerikanischen Ländern die Gelegenheit zur Teilnahme. Mit 27 Mannschaften und 133 Spielern wurde ein neuer Teilnahmerekord erzielt. Das machte einen neuen Modus erforderlich: Zunächst wurden vier Vorrundengruppen ausgespielt, um sich für die Finalrunde zu qualifizieren. Dass die USA ihren Titel nicht würden verteidigen können, war schon schnell klar: Die Mannschaft nahm nicht einmal teil. Obwohl Bobby Fischer noch nicht einmal geboren war, scheiterte die US-Teilnahme an den Allüren seiner Mitspieler. Ebenfalls nicht an den Start gingen die Ungarn. Das Turnier war also deutlich geschwächt. Dafür durften die Deutschen wieder teilnehmen, diesmal aufgrund der sich geänderten politischen Lage mit dem annektierten Österreich. Politik beherrschte das TurnierDie Vorrunde erfreute sich noch regulärer Bedingungen. In Gruppe 1 lagen die favorisierten Polen und die ehemalige Tschechoslowakei, die nach Chamberlains „peace in our time“ als Protektorat Böhmen und Mähren anzutreten hatte, vorn. England und Brasilien qualifizierten sich ebenfalls für die Finalrunde. Anzeige
In der 2. Vorrundengruppe lag Lettland vor Deutschland, Chile und Frankreich, in Gruppe 3 qualifizierten sich Argentinien, Litauen, Niederlande und Dänemark. Aus der 4. Gruppe waren Schweden, Estland, Palästina und Kuba (diesmal mit Capablanca) die Qualifikanten für die Finalrunde. Doch bevor die Finalrunde begann, brach durch den deutschen Einmarsch in Polen der II. Weltkrieg in der „alten Welt“ aus. War zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht abzusehen, in welches Chaos die Welt gestürzt werden würde, war das Chaos bei der Schacholympiade sofort klar: Englands Spieler reisten ab, die Mehrheit der Mannschaften wollten ebenfalls das Turnier abbrechen. Den argentinischen Organisatoren gelang es jedoch, unter Hinweis auf den organisatorischen und finanziellen Aufwand die anderen Teams zum Weiterspielen zu bewegen. Doch natürlich wirkte sich die politische Situation nun auch auf das Turnier aus. Manches Team wollte nicht gegen die deutschen Kriegsverursacher spielen. Zunächst wurden die Finalspiele noch sportlich entschieden, und nach vier Runden führte das deutsch-österreichische Team mit einem halben Punkt vor dem Gastgeber. Doch im Rahmen des Turniers standen noch heikle Mannschaftskämpfe an: Neben Nazideutschland war mit Böhmen und Mähren ja auch noch ein „deutsches Protektorat“ am Start, und Frankreich hatte Deutschland inzwischen den Krieg erklärt. Polen lag ebenso mit Deutschland im Krieg, und das jüdisch geprägte Palästina war den Deutschen aufgrund deren Rassenpolitik logischerweise auch wenig freundlich gesinnt. Um den sportlichen Wert des Turniers zu retten, griff man also zu einem Trick: Heikle Spiele wurden einfach mit 2:2 gewertet. Einfach? Nein. So weigerte sich Deutschland, sich gegen Palästina mit einem kampflosen 2:2 zufrieden zu geben. Daraufhin drohte Palästina mit einer kampflosen Niederlage. Das hätte aber bedeutet, dass Nazideutschland vielleicht durch jüdische Schützenhilfe den Titel erringen würde. Dies aber entsprach natürlich nicht dem arisch-faschistischen Zeitgeist, so dass Deutschland dem Remis schließlich zustimmte.
Abschlusstabelle der Finalrunde Letztlich wurden sechs Partien mit 2:2 gewertet: Deutschlands und Böhmens Spiele gegen Polen und Frankreich, Deutschlands Partie gegen Palästina und schließlich auch Argentiniens Spiel gegen Palästina. Die Argentinier wollten fairer weise nicht vom deutschen 2:2 profitieren. Alexander Aljechin, dem man später vorwerfen sollte, die Nazis indirekt unterstützt zu haben, trat am Spitzenbrett gegen die deutschen Konkurrenten Argentinien und Polen nicht an. Nach der achten Runde hatten bis auf Polen alle Spitzenteams einmal ihre reguläre Pause genossen. Schweden führte nun gemeinsam mit den Polen, die aber eine Mannschaftspartie mehr gespielt hatten. Dahinter lagen Deutschland und Argentinien in Lauerstellung. Nach zwei Dritteln der Distanz hatten die Schweden sich jedoch ein „Schwächeln“ erlaubt, so dass Deutschland wieder führte. Vor der letzten Runde hatte das großdeutsche Team einen Zwei-Punkte-Vorsprung auf Estland und Polen. Argentinien war bereits zurückgefallen. In der Schlussrunde genügte den Deutschen ein 2:2, um einen halben Punkt Vorsprung vor Polen über die Ziellinie zu retten. Estland errang den 3. Platz. Für Deutschland war es der einzige Titel bei einer Schacholympiade. Die Spieler der Mannschaft verweigerten die Rückreise in ihre Heimat und wurden in Südamerika eingebürgert, von wo aus sie zukünftig noch das eine oder andere Mal schachlich von sich hören ließen. |
Chronik
Turniere der Epoche 1927 London, 1928 Den Haag, 1930 Hamburg, 1931 Prag, 1933 Folkestone, 1935 Warschau, 1937 Stockholm, 1939 Buenos Aires Die Medaillengewinner
*) Wichtiger Hinweis: Die hier abgebildete im Jahr 1939 verwendete deutsche Flagge stellt ein verfassungswidriges Symbol dar, dessen Verwendung im Sinne der §§ 86 und 86a StGB verboten ist. Diese Seite fällt aufgrund der Berichterstattung über die damalige Geschichte unter die in § 86 Abs. 3 definierten streng limitierten Ausnahmen. Das Verwenden einer anderen deutschen Fahne oder ihr Weglassen könnte suggerieren, caissa würde die deutsche Geschichte und die mit ihr zusammen hängenden Verbrechen ausblenden wollen. Die caissa-Redaktion distanziert sich ausdrücklich von jeglichen faschistischen Organisationen und Symbolen, sowohl in Deutschland als auch an jedem anderen Ort dieser Welt. Anzeige
Olympia-Hintergrund Die ersten Schacholympiaden wurden noch nicht als solche bezeichnet. Die teilnehmenden Nationen spielten mit jeweils vier Brettern ein Rundenturnier. Die VIII. Olympiade in Buenos Aires fand statt vom 24. August bis 19. September 1939. Olympia aktuell Deutschland im Mittelmaß Aktuelle Olympiade Quellen und mehr Informationen OlimpBase • Fernschach-Olympia Rechte an dieser Seite Text: Rainer Osenberg, Bild: Hans Sönnke (Kriegsausbruch, gemeinfrei Details) Diese Seite merken Letzte Aktualisierung 6.6.2010, 21.50 Uhr |
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| chronik Nationalteams Olympia 1927-1939 Buenos Aires 1939 | © 2007-2010 Rainer Osenberg | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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