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caissa schach chronik - Schacholympiade

Sowjet-Sieg in Siegen

XIX. Olympiade in Siegen

Siegen

Siegen

„Nichts ist schlimmer als verlieren – außer Siegen“ meint manche böse Zunge über die beschauliche Stadt an der Grenze Nordrhein-Westfalens zu Hessen. Wie auch immer, Siegen wurde die vierte deutsche Stadt, die die Schacholympiade ausrichten durfte, nachdem Ungarn verzichtet hatte.

60 Mannschaften gingen an den Start, und diesmal mussten sogar Länder zurück gewiesen werden, damit das Turnier nicht aus allen Nähten platzte. Wieder wurde mit Vor- und Hauptrunde gespielt, und natürlich war die Sowjetunion wieder haushoher Favorit. Die USA hatten diesmal erneut Fischer und Reshevsky nominiert, und diesmal saßen auch wirklich beide am Brett.

Der Favorit tat sich schwer

Die Vorrunde wurde diesmal in sechs Zehnergruppen ausgespielt. Die Sowjetunion beherrschte wie immer seine Gruppe 1 und wurde von Spanien ins Finale gefolgt. Kurios verlief die Partie der beiden gegeneinander, wo Kortschnoi offensichtlich vom verschlafenen Siegen hatte inspirieren lassen und zu spät am Brett erschien.

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Die Gruppe 2 hatte mehr Pfeffer. Jugoslawien lag erwartungsgemäß klar vorn, doch der Kampf um Platz 2 war bemerkenswert. Kanada setzte sich letztlich knapp vor Indonesien, der Mongolei und England durch.

Gruppe 3 erlebte einen harten Dreikampf zwischen den USA, der DDR und der Niederlande. Am Ende lag die DDR knapp vor den USA. Spannung bot auch Gruppe 4, in der Rumänien und Ungarn die Favoriten waren. Die Dänen lagen am Ende mit nur einem halben Punkt Rückstand auf Rang 3.

Argentinien und die Tschechoslowakei taten sich in ihrer Gruppe 5 schwerer als erwartet, so dass Israel beinahe eine Überraschung schaffte. Das A-Finale wurde schließlich durch Deutschland und Bulgarien komplettiert, die sich klar in Gruppe 6 durchsetzten.

Wie schon 1968 wurden die Vorrundenergebnisse der direkten Duelle ins Finale übernommen. Trotz Kortschnois Nickerchens übernahm somit die UdSSR sogleich die Führung. Kortschnoi war es dann, der gegen Deutschland den entscheidenden Sieg beim knappen 2½:1½ beisteuerte. Die Tschechen schlossen dadurch zunächst zu den Sowjets auf.

Pl. Mannschaft Sp S U N Pkt. Brpkt.
Die Brettpunkte entschieden über die Plazierung.
1. Sowjetunion 11 7 4 0 18 27½
2. Ungarn 11 8 2 1 18 26½
3. Jugoslawien 11 8 3 0 19 26
4. USA 11 5 3 3 13 24½
5. Tschechoslowakei 11 3 6 2 12 23½
6. BR Deutschland 11 4 2 5 10 22
7. Bulgarien 11 3 4 4 10 21½
8. Argentinien 11 4 2 5 10 21½
9. DDR 11 1 5 5 7 19
10. Rumänien 11 1 3 7 5 18½
11. Kanada 11 2 3 6 7 17½
12. Spanien 11 1 1 9 3 16

Abschlusstabelle der Finalrunde

Nach der 3. Runde übernahm dann gar Ungarn die Führung durch ein 3:1 gegen Kanada. Die Sowjets kamen gegen Jugoslawien nicht über ein 2:2 hinaus. In Runde 5 trafen Ungarn und die UdSSR aufeinander. Nach vier Remis hieß es 2:2. Durch ihren klaren Sieg gegen Bulgarien schlossen die Amerikaner zu den führenden Ungarn auf. Jeweils einen halben Punkt dahinter lauerten die Sowjets und die Jugoslawen.

Dann schlug die UdSSR die USA mit 2½:1½. Den entscheidenen Sieg erzielte Spasski gegen Fischer. Die Ungarn blieben dank ihres Sieges über Deutschland weiter vorn. Doch in Runde 7 kam der Rückschlag gegen Jugoslawien, dem man 1½:2½ unterlegen war. Die UdSSR übernahm durch ihr 3:1 gegen die DDR nun die Spitze. Einen Punkt dahinter folgten gleichauf Jugoslawien, Ungarn und die USA.

Es blieb knapp, da die Sowjets nicht so souverän auftraten wie zuletzt. Doch es reichte, den Vorsprung ins Ziel zu retten. Vor der letzten Runde betrug der Vorsprung auf Jugoslawien und Ungarn zwei Punkte. Zwar gab es gegen Bulgarien nur ein 2:2, doch das reichte, um die Verfolger auf Distanz zu halten. Ungarn schob sich durch ein 3:1 gegen die DDR noch auf den 2. Platz. Jugoslawien wurde Dritter. Für die USA mit Fischer und Reshevsky reichte es nur zum undankbaren 4. Platz.

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Die Medaillengewinner

Sowjetunion
Sowjetunion
Boris Spasski, Tigran Petrosjan, Viktor Kortschnoi, Lew Polugajewski, Wassili Smyslow, Efim Geller
Ungarn
Ungarn
Portisch, Lengyel, Bilek, Forintos, Csom, Ribli
Jugoslawien
Jugoslawien
Gligoric, Ivkov, Matulovic, Matanovic, Parma, Minic

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Olympia-Hintergrund

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Olympiade alle zwei Jahre ausgetragen. Die Teilnehmerzahl machte Vorrunden und anschließende Finalrunden erforderlich. Die XIX. Olympiade in Siegen fand statt vom 5. bis 27. September 1970.

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Text: Rainer Osenberg, Bild: Bob Ionescu (Siegen, Copyright Details)

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13.7.2010, 10.04 Uhr

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