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caissa schach chronik - Schacholympiade

Viel Kritik an der Organisation

XXI. Olympiade in Nizza

Nächtliche Promenade in Nizza

Nächtliche Promenade in Nizza

50 Jahre nach der Gründung der Fide wurde die Schacholympiade 1974 in das Gründungsland vergeben. Nizza im Juni klingt traumhaft, doch für viele Spieler und die Organisatoren wurde dieses Turnier eher zum Alptraum. Dem Gastgeber muss man zugestehen, dass ursprünglich viel mehr Helfer zugesagt wurden, die neue französische Regierung die alten Zusagen jedoch nicht einhielt.

Nicht nur Fischer hatte somit einiges zu bemängeln. Da man ihm das Spielen in einem separaten Gebäude nicht zusicherte, blieb er dem Turnier gleich fern. Andere nahmen teil, hatten aber andere Kritikpunkte: So beklagten sich Spieler, früh am Morgen vom „lieblichen“ Klang von Presslufthammern geweckt zu werden. Auch das Essen gab manchen Anlass zur Kritik, obwohl Südfrankreich ein Eldorado für Feinschmecker ist. Vor allem aber störten die ungünstigen Lichtverhältnisse im Turniersaal.

Insgesamt waren 445 Spieler in 75 Mannschaften in Nizza dabei. Eine Mannschaft fehlte aus bemerkenswertem Grund: Die DDR verzichtete auf die Teilnahme, da sie keine Chance zum Sieg sah. 1972 hatte es einen Beschluss gegegen, sich ganz auf medaillenträchtige olympische Sportarten zu konzentrieren.

Sowjets siegen ohne Partieverlust

Die Gruppe 1 wurde einmal mehr von den Sowjets dominiert. Spannend wurde der Kampf um den zweiten Rang. Brasilien hatte nach dem Elo-Schnitt die besten Karten, landete letztlich aber nur im C-Finale. Am Ende qualifizierte sich sensationell Wales für das A-Finale. Schottland mußte sich knapp geschlagen geben. Erst auf dem 4. Platz landete Polen, jedoch noch vor den Brasilianern.

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Klarer ging es in Gruppe 2 zu, wo die USA und England sich durchsetzten. In Gruppe 3 landeten die Finnen hinter den Jugoslawen. Das junge kubanische Team hatte das Nachsehen. Dagegen setzten sich in Gruppe 4, wo Nicaragua nach einer Runde mit nur zwei besetzten Brettern wieder abreiste, Ungarn und Spanien klar durch.

Deutschland und Schweden ließen in Gruppe 5 nichts anbrennen. Auch die Tschechen und Rumänen setzten sich in ihrer Gruppe durch – allerdings mit einem handfesten Skandal. Entgegen dem inzwischen eingeführten Reglement einigte man sich im direkten Vergleich auf vier schnelle Remis. Nun hätte das Spiel 0:0 gewertet werden müssen, was den Norwegern die Chance auf die Finalteilnahme gegegeben hätte. Doch es blieb regelwidrig beim 2:2.

In der Gruppe 7 blieb Israel trotz der Verstärkung sowjetischer Einwanderer auf der Strecke. Für das A-Finale qualifizierten sich hier Bulgarien und die Philippinen. Dagegen setzten sich in Gruppe 8 mit der Niederlande und Argentinien die Favoriten klar durch.

In die Finalrunde wurden diesmal wieder die Punkte aus der Vorrunde, die die Qualifikanten gegeneinander erzielt hatten, mitgenommen. Durch sein 4:0 gegen Wales übernahm die Sowjetunion gleich die Führung. Nach vier Runden hatte das Team diese bereits auf 2½ Punkte ausgebaut. Den 2. Platz nahmen die Bulgaren ein, doch die Verfolger lagen noch eng beisammen.

Pl. Mannschaft Sp S U N Pkt. Brpkt.
Die Brettpunkte entschieden über die Plazierung.
1. Sowjetunion 15 13 2 0 28 46
2. Jugoslawien 15 8 4 3 20 37½
3. USA 15 10 2 3 22 36½
4. Bulgarien 15 7 7 1 21 36½
5. Niederlande 15 8 4 3 20 35½
6. Ungarn 15 9 3 3 21 35
7. BR Deutschland 15 7 5 3 19 32
8. Rumänien 15 4 8 3 16 29½
9. Tschechoslowakei 15 5 4 6 14 29½
10. England 15 1 7 7 9 26
11. Philippinen 15 4 4 7 12 25½
12. Spanien 15 4 3 8 11 25½
13. Schweden 15 2 5 8 9 25
14. Argentinien 15 1 5 9 7 23½
15. Finnland 15 3 3 9 9 22
16. Wales 15 1 0 14 2 14½

Abschlusstabelle der Finalrunde

Die UdSSR ließ dagegen vorne nichts anbrennen. Wer nach Spasskis WM-Niederlage gegen Fischer und nach der zuletzt knapperen Führung bei Olympia geglaubt hatte, die sowjetische Vormacht würde sich in Wohlgefallen auflösen, wurde eines besseren belehrt. Erst in Runde 10 gelang es den Ungarn, den Sowjets ein Mannschaftsremis abzutrotzen. Zu diesem Zeitpunkt betrug deren Vorsprung auf Verfolger Jugoslawien jedoch schon vier Punkte. In Runde 12 waren es dann noch einmal die Bulgaren, die ein 2:2 gegen den Favoriten schafften. Die Bulgaren lagen so auf dem 3. Platz, allerdings hauchzart vor den Verfolgern Niederlande und USA. Die Jugoslawen waren nun Zweiter.

In der vorletzten Runde sicherte sich die UdSSR bereits die erneute Goldmedaille. Dahinter blieb es spannend: Jugoslawien schwächelte beim 2:2 gegen Rumänien, hatte aber bei 36 Punkten zwei Punkte vor den USA. Dahinter lagen mit je einem halben Punkt Rückstand Bulgarien und die Niederlande sowie mit einem ganzen Ungarn.

In der letzten Runde unterlag Jugoslawien den Sowjets nur knapp mit 1½:2½ und sicherte sich Silber. Die Niederlande und Ungarn trennten sich 2:2. Während die USA gegen die Tschechen 2½:1½ gewannen, legten die Bulgaren ein 3:1 gegen Spanien an die Bretter. Somit waren Bulgarien und die USA punktgleich. Am Ende hatten die Amerikaner einen Mannschaftspunkt mehr auf der Habenseite und sicherten sich Bronze. Die Sowjets dagegen siegten nicht nur mit 8½ Punkten Vorsprung, sondern verloren im ganzen Turnier keine einzige Einzelpartie, geschweige denn eine Manntschaftspartie.

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Die Medaillengewinner

Sowjetunion
Sowjetunion
Anatoli Karpow, Viktor Kortschnoi, Boris Spasski, Tigran Petrosjan, Michail Tal, Gennadi Kusmin
Jugoslawien
Jugoslawien
Gligoric, Ljubojevic, Ivkov, Planinc, Velimirovic, Parma
USA
USA
Kavalek, Byrne, Browne, Reshevsky, Lombardy, Tarjan

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Olympia-Hintergrund

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Olympiade alle zwei Jahre ausgetragen. Die Teilnehmerzahl machte Vorrunden und anschließende Finalrunden erforderlich. Die XXI. Olympiade in Nizza fand statt vom 6. bis 30. Juni 1974.

Olympia aktuell

Deutschland im Mittelmaß
Jugend nach Olympia
Iwantschuk freigesprochen
Armenien verteidigt den Titel
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Quellen und mehr Informationen

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Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bild: W. M. Connolley (Nizza, cc-by-sa 3.0 Details)

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6.6.2010, 21.50 Uhr

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