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caissa schach chronik - Schacholympiade

Ungarn vor der Sowjetunion

XXIII. Olympiade in Buenos Aires

Stadion der Boca Juniors

Fußball in Buenos Aires

1978 war mit Buenos Aires erstmals eine Stadt zum zweiten Mal Austragungsort einer Schacholympiade. Bei der ersten Auflage 1939 hatte die „großdeutsche“ Mannschaft gewonnen. Gespielt wurde im River Plate Stadion, in dem wenige Monate zuvor Argentinien die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen hatte.

Nach den Boykottspielen von Haifa waren diesmal wieder alle großen Schachnationen an Bord, inklusive der Sowjetunion, die einmal mehr der Topfavorit auf Gold war. Ingesamt spielten 66 Mannschaften mit 388 Spielern.

Wieder wurde im Schweizer System, das diesmal aber um eine Runde erweitert wurde, gespielt. Als Zweitwertung sollte erstmals die Buchholz-Wertung Vorrang vor den Mannschaftspunkten erhalten.

Ungarn nutzt seine historische Chance

Fast die Hälfte der Erstrundenpartien endete 4:0, doch die Favoriten gaben einzelne Punkte ab und überließen es der zweiten Reihe, das Führungsfeld zu bilden. Nach der 2. Runde hatte sich dann England einen halben Punkt Vorsprung erarbeitet.

In der 4. Runde wurden die Engländer dann von der UdSSR eingeholt. Beide hatten nun 12½ Punkte und damit einen ½ Punkt Vorsprung auf Ungarn. In der 5. Runde spielte man gegeneinander 2:2, wobei Miles am Spitzenbrett Spasski besiegte. Ungarn und die USA trennten sich ebenfalls 2:2. Das Feld konnte somit heranrücken. Gleich vier Mannschaften lagen in Verfolgerposition.

Es dauerte fast bis zur Halbzeit, bis die Favoriten die Führung übernahmen. Gegen Ungarn behielt die UdSSR knapp die Nase vorn. England unterlag währenddessen den USA. Bulgarien und Dänemark nutzten die Gelegenheit, auf die Medaillenränge vorzurücken.

Auch nach acht Runden führte die UdSSR nach einem klaren 3:1 gegen die USA. 1½ Punkte dahinter lag Deutschland, einen weiteren halben Punkt Rückstand hatten Ungarn und Dänemark. In der 9. Runde trafen die UdSSR und Deutschland direkt aufeinander.

Bisher hatten sich die Sowjets bei allen Schacholympiaden insgesamt erst drei Mannschaftsniederlagen geleistet, jeweils im Abstand von acht Jahren: 1956 und 1972 gegen Ungarn, 1964 gegen Deutschland. Diesesmal wurde der Rhythmus unterbrochen: Pflegers Sieg gegen Polugajewski am 3. Brett sicherte den deutschen 2½:1½-Sieg. Die USA deklassierten derweil Dänemark und rückten ebenso wie Deutschland bis auf einen halben Punkt an die Sowjetunion heran. Ungarns Rückstand betrug ebenfalls nur noch einen Punkt.

Als die Sowjets gegen Israel anschließend ebenso 2:2 spielte wie Deutschland gegen Ungarn, konnte die USA durch seinen knappen Sieg gegen Kuba aufschließen. Es war richtig spannend geworden: UdSSR und USA 26, Deutschland 25½, Ungarn 25, Schweden 24½, Israel, Spanien, Polen und Island 24 Punkte - die ersten Neun waren nur durch zwei Punkte voneinander getrennt.

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In der 11. Runde musste die UdSSR dann die Führung an die USA abgeben. Auch gegen Schweden war nur ein 2:2 gelungen, während die USA knapp über Deutschland die Oberhand behielten. Ungarn pirschte sich durch ein 3:1 gegen Island ebenfalls auf Augenhöhe.

Und in der drittletzten Runde übernahmen die Ungarn sogar die Führung. Gegen Schweden gelangen 3½ Punkte, während die USA gegen Israel und die Sowjetunion gegen Polen einen Punkt weniger einfuhren. Ungarn lag nun einen halben Punkt vor den USA und einen ganzen vor der UdSSR.

In der vorletzten Runde holten die USA gegen Polen nur 2 Punkte, Ungarn gegen Israel 2½ und die UdSSR gegen Kanada 3. Vor der Schlussrunde lag also Ungarn mit einem halben Punkt vor der Sowjetunion und einen ganzen vor den USA.

Die USA spielten in der Schlussrunde 2:2 gegen die Schweiz und sicherten sich Bronze, da Deutschland gegen Israel ebenfalls nur zwei Punkte holte. Die favorisierten Sowjets besiegten die Niederlande mit 2½:1½ – zu wenig. Ungarn nutzte die historische Chance und schlug Jugoslawien mit 3:1.

Die Sensation war perfekt! Zum allerersten Mal hatten die Sowjets ihre Teilnahme nicht mit Gold krönen können. Mit einem Punkt Rückstand auf Ungarn holte man „nur“ Silber.

Abschlusstabelle

Pl. Mannschaft Sp S U N Pkt. Brpkt.
Die Brettpunkte entschieden über die Plazierung.
1. Ungarn 14 10 3 1 23 37
2. Sowjetunion 14 10 3 1 23 36
3. USA 14 10 3 1 23 35
4. BR Deutschland 14 6 5 3 17 33
5. Israel 14 7 4 3 18 32½
6. Rumänien 14 6 4 4 16 32½
7. Dänemark 14 8 4 2 20 32
8. Polen 14 7 3 4 17 32
9. Spanien 14 6 3 5 15 32
10. Schweiz 14 8 3 3 19 32
11. Kanada 14 7 2 5 16 32
12. England 14 6 3 5 15 31½
13. Bulgarien 14 7 2 5 16 31½
14. Niederlande 14 7 3 4 17 31½
15. Jugoslawien 14 7 4 3 18 31
16. Schweden 14 7 3 4 17 31
17. Argentinien 14 8 0 6 16 31
18. Kuba 14 7 3 4 17 30½
19. Österreich 14 7 1 6 15 30½
20. China 14 6 3 5 15 30½
21. Mexiko 14 7 2 5 16 30½
22. Finnland 14 6 2 6 14 30
23. Kolumbien 14 5 5 4 15 30
24. Philippinen 14 6 4 4 16 29½
25. Neuseeland 14 7 1 6 15 29½
26. Indonesien 14 6 2 6 14 29½
27. Brasilien 14 6 2 6 14 29½
28. Island 14 6 1 7 13 29
29. Chile 14 5 4 5 14 29
30. Australien 14 6 3 5 15 29
31. Norwegen 14 6 2 6 14 29
-. Argentinien B 14 5 2 7 12 28½
32. Paraguay 14 5 2 7 12 28½
33. Schottland 14 6 2 6 14 28
34. Venezuela 14 6 1 7 13 28
35. Syrien 14 6 1 7 13 28
36. Frankreich 14 5 2 7 12 27½
37. Uruguay 14 5 5 4 15 27½
38. Dominikanische Republik 14 5 4 5 14 27½
39. Sri Lanka 14 3 7 4 13 27½
40. Hongkong 14 5 2 7 12 27½
41. Wales 14 6 1 7 13 27
42. Peru 14 5 1 8 11 27
43. Guyana 14 6 0 8 12 27
44. Japan 14 7 2 5 16 27
45. Luxemburg 14 6 3 5 15 27
46. Färöer 14 5 2 7 12 27
47. Belgien 14 4 4 6 12 26½
48. Guatemala 14 6 2 6 14 26½
49. Marokko 14 6 2 6 14 26½
50. Tunesien 14 4 4 6 12 26
51. Ecuador 14 5 4 5 14 26
52. Bolivien 14 5 2 7 12 26
53. Trinidad und Tobago 14 3 4 7 10 26
54. Jordanien 14 5 4 5 14 26
55. Jamaika 14 4 4 6 12 25½
56. Puerto Rico 14 6 0 8 12 25
57. Malaysia 14 5 2 7 12 25
58. Libyen 14 4 2 8 10 23½
59. Mauretanien 14 5 3 6 13 23½
60. Andorra 14 3 4 7 10 22½
61. Amerik. Jungferninseln 14 3 3 8 9 22
62. Bermuda 14 4 3 7 11 20½
63. Zaire 14 1 3 10 5 16
64. Verein. Arabische Emirate 14 2 1 11 5 12½
65. Britische Jungferninseln 14 0 1 13 1 12½

Nationalmannschaften bei caissa

Chronik
Nationalteams
   > Olympia
      > 1976-1990
         > Buenos Aires 1978

Turniere der Epoche

1976 Haifa, 1978 Buenos Aires, 1980 Valletta, 1982 Luzern, 1984 Saloniki, 1986 Dubai, 1988 Saloniki, 1990 Novi Sad

Die Medaillengewinner

Ungarn
Ungarn
Lajos Portisch, Zoltan Ribli, Gyuala Sax, Andras Adorjan, Istvan Csom, Laslo Vadasz
Sowjetunion
Sowjetunion
Spasski, Petrosjan, Polugajewski, Gulko, Romanischin, Waganjan
USA
USA
Kavalek, Browne, Lein, Byrne, Tarjan, Lombardy

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Olympia-Hintergrund

Ab 1976 wurde die Schacholympiade im Schweizer System ausgetragen, zunächst meist in 14, später nur noch in 11 Runden. Darüber hinaus spielten Männer und Frauen nun an einem Ort parallel. Die XXIII. Olympiade in Buenos Aires fand statt vom 25. Oktober bis 12. November 1978.

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Quellen und mehr Informationen

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Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bild: Eduardo Lacerda (Buenos Aires, cc-by 2.0 Details)

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