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caissa schach-chronik - WeltmeisterschaftKlassische WeltmeisterschaftenBerichte und Ergebnisse ab Zonenturniere Schon Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Vorgeschichte der Weltmeisterschaften. Der Brite Howard Staunton, der damals als der beste Spieler der Welt galt, lud anlässlich der Weltausstellung starke Spieler 1851 zum Turnier in London ein. In den folgenden Jahrzehnten wurde oft darüber diskutiert, wer nun der gerade beste Spieler der Welt sei.
Meilensteine der Klassischen WM In den 1880er-Jahren konnte sich die Schachwelt nicht so recht darauf einigen, wer wohl der Allerbeste sei. Johannes Zukertort gewann in dieser Zeit überlegen das Turnier in London. Steinitz lag hier deutlich hinter ihm, überzeugte aber über viele Jahre in Matches. Was lag näher, als ein Match zwischen den beiden Kontrahenten auszutragen? 1885 konkretisierte sich der Plan, ein Match um die Vorherrschaft in der Schachwelt auszutragen. Sowohl die Unterstützer von Zukertort als auch die von Steinitz brachten jeweils 2.000 US-Dollar auf. Von diesen sollte der Sieger 1.000 $ zahlen, der Rest unter den Unterstützern des Siegers aufgeteilt werden. Am 11. Januar 1886 war es schließlich so weit: Die erste Partie um eine Weltmeisterschaft wurde gespielt. Die Epoche der Herausforderer bis zum II. WeltkriegDer Böhme Wilhelm Steinitz wurde 1886 der erste Weltmeister. Er nahm in den folgenden Jahren die Herausforderungen Michail Tschigorins, Isidor Gunsbergs und Emanuel Laskers entgegen. Bis zum II. Weltkrieg suchte sich der jeweilige Weltmeister seinen Gegner bei der WM selber aus und diktierte im Zweifel auch die Bedingungen. Eine Pflicht, seinen Titel binnen einer bestimmten Zeitspanne zu verteidigen oder die Herausforderung eines bestimmten Gegners anzunehmen, bestand nicht. Der zweite Weltmeister – und einzige Deutsche, der diesen Titel je errang – Emanuel Lasker, nutzte dies beinahe schamlos aus. Zwischen 1897 und 1907 verteidigte er seinen Titel überhaupt nicht, der Herausforderung seines Landsmannes Siegbert Tarrasch wich er eine ganze Zeit aus, wohl weil er diesem noch grollte, hatte Tarrasch doch zu Beginn der 1890er-Jahre eine Herausforderung Laskers zu einem Match abgelehnt. Eine noch längere Pause entstand zwischen den Weltmeisterschaften 1910 und 1921. Diese lange Zeitspanne war natürlich auch durch den Weltkrieg begründet. Emanuel Lasker verlor seinen Titel 1921 an den Kubaner José Capablanca. Er gab an, mit den klimatischen Bedingungen in Havanna nicht zurecht zu kommen und gab das Match sieglos auf. Dies wurde ihm von vielen als Ausrede übel genommen. Allerdings sagte Lasker auch, dass er das Match wohl in jedem Falle verloren hätte. Capablanca wartete sechs Jahre lang, bis er seinen Titel verteidigte und trat gegen den aus Russland stammenden Franzosen Alexander Aljechin an. Dieser galt als krasser Außenseiter, gewann aber die bis dahin längste Weltmeisterschaft. Aljechin wich den wiederholten Revancheforderungen Capablancas immer wieder aus. Statt dessen trat er gegen Spieler an, die eher der zweiten Garnitur der Weltklasse angehörten. Efim Bogoljubow war immerhin Champion der Fide, die inzwischen gegründet worden war und zunächst einen eigenen Champion kürte, bis Bogoljubow zweimal ganz klar gegen Aljechin verloren hatte. Dieser lehnte es ab, der Fide die Kontrolle über die WM zu überlassen. Mit Max Euwe wählte Aljechin 1935 wiederum nicht den stärksten Spieler als Gegner, verlor jedoch. Bei der Revanche 1937 konnte sich Aljechin aber den Titel zurück erobern.
Alle klassischen Weltmeister Michail Botwinnik aus der Sowjetunion war der Favorit, Weltmeister Aljechin als nächstes herauszufordern. Der nächste Weltkrieg verhinderte dieses Match zunächst. Nach dem Krieg war das Duell erneut im Gespräch, doch Alexander Aljechin starb im März 1946. Der Titel war somit vakant. Die Fide regiert, die Regeln bleibenDie Fide nutzte die Chance, die Kontrolle über die WM zu übernehmen, obwohl sie organisatorisch und erst recht finanziell nach dem Krieg danieder lag. Über die erste Weltmeisterschaft wurde viel diskutiert, Michail Botwinnik holte 1948 im Turnier schließlich den Titel. Nun begann eine Epoche von einigen Jahrzehnten, in denen die WM größtenteils nach dem gleichen Muster ablief und die Regeln lediglich von Zeit zu Zeit ein wenig angepasst wurden. Die Fide organisierte die Zyklen im Dreijahres-Rhythmus. Lange Zeit stellte niemand den Anspruch der Fide auf die Kontrolle der WM in Frage. Am Beginn eines jeden Zyklus standen die regionalen Zonenturniere, bei denen sich die Spieler nach den zuvor bekannt gegebenen Gewichtungen für die Interzonenturniere qualifizieren konnten, die die erste globale Stufe der Qualifikation darstellten. Von den Interzonenturnieren wurden die besten Spieler zu den Kandidatenwettkämpfen geschickt. Diese wurden bis 1962 als Turnier ausgetragen, anschließend als Matches. Grund war die – letztlich wahre – Behauptung Bobby Fischers, die Sowjets würden ihre Ergebnisse gegeneinander abstimmen. Es stellte sich aber darüber hinaus auch heraus, dass das Publikum die Matches liebte. Sowjetische VorherrschaftAbsprachen hin oder her – die herrschende Schachnation war für Jahrzehnte die Sowjetunion. Nur eine Handvoll Spieler kam in Frage, in diese Phalanx einzubrechen. Michail Botwinnik verlor seinen Titel dreimal, gewann ihn aber von Wassili Smyslow und Michail Tal jeweils in der Revanche zurück. Beim dritten Titelverlust gegen Tigran Petrosjan war das Revancherecht bereits abgeschafft worden. Petrosjan verlor seinen Titel nach sechs Jahren gegen Landsmann Boris Spasski. Bei der WM 1972, der zweifellos international am meisten beachteten Weltmeisterschaft, brach Bobby Fischer aus Chicago die Vorherrschaft der Sowjets. Im „Match des Jahrhunderts“ mitten im Kalten Krieg besiegte der Amerikaner seinen Vorgänger unter recht spektakulären Rahmenbedingungen. Doch Fischer spielte anschließend nur noch einmal ernsthaft Schach, was ihm 1992 wegen eines Verstoßes gegen ein US-Embargo einen Haftbefehl einbrachte. Der WM-Titel ging 1975 „am grünen Tisch“ an Anatoli Karpow, gegen den Fischer nicht antrat. Karpow, Kortschnoi, Kasparow
Garri Kasparow und Anatoli Karpow 1978 verteidigte Karpow den ihm zugefallenen Titel am Brett gegen Viktor Kortschnoi, der sich zwei Jahre zuvor in den Westen abgesetzt hatte. Auch dieses Match war aufgrund dieser Begleitumstände brisant und auch außerhalb der Schachwelt beachtet. Ebenso wie drei Jahre später blieb der Titel bei Karpow. Aufgrund der Anregungen Fischers wurde jeweils auf sechs Siege gespielt. Diese Regel wurde beim nächsten Zyklus zum Problem, als Karpow vom jungen Garri Kasparow herausgefordert wurde, der so gar nicht dem Klischee, des zurückhaltenden, vielleicht etwas spinnerten Schachgenies entsprach. Karpow führte gegen den ungestümen Herausforderer rasch mit 4:0 und später mit 5:0. Doch in einem monatelangen zähen Kampf kam Kasparow auf 3:5 heran und schien mehr Kraftreserven zu haben. Nun brach Fide-Präsident Campomanes den Kampf ab, was nicht bei Kasparow eine Menge Empörung hervorrief. Als der Kampf wieder aufgenommen wurde, waren einige Privilegien für Karpow und vor allem die Rückkehr zu 24 Partien beschlossen worden. Kasparow gewann 1985, bei der Revanche 1986 und auch bei Karpows Herausforderungen 1987 und 1990. 13 Jahre geteilte SchachweltMit ihrem Präsidenten Campomanes verlor die Fide einiges an Reputation, nicht nur wegen der abgebrochenen WM. Schon vor der WM 1986 ließ es Campomanes auf einen Machtkampf mit Kasparow ankommen, die Teilung der Schachwelt stand im Raume. Zu dieser kam es dann 1993, als sich anstelle des „ewigen“ Anatoli Karpow der Engländer Nigel Short für das WM-Finale qualifiziert hatte. Short und Kasparow fühlten sich von der Fide nicht angemessen unterstützt und weigerten sich, unter der Ägide der Fide um den Titel zu spielen. Sie gründeten die PCA und wurden schließlich von der Fide geächtet, die ihre eigene Weltmeisterschaft ausspielte. Anzeige
Dass die Fide-WM 1993 nicht nur ein Match der Verlierer war, sondern auch noch so dilettantisch organisiert war, dass eine mehrwöchige Unterbrechung erforderlich wurde und das Preisgeld schließlich auf ein Viertel gekürzt wurde, war der erste Schritt dazu, dass die Fide-WM von Sponsoren und Publikum als minderwertig empfunden wurde. Die Fide „schaffte“ es später, das Ansehen ihrer WM durch allerlei Regeländerungen fast völlig zu ruinieren. Privilegien, ein abenteuerlicher Ko-Modus und schließlich die Verkürzung der Bedenkzeit brachten die Fide und ihre WM in immer größere Schwierigkeiten. Dabei bekleckerte sich Kasparows PCA und ihre diversen Nachfolger auch nicht eben mit Ruhm. Die Schachwelt war der Teilung längst überdrüssig, selbst Garri Kasparow sah zunehmend ein, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es dauerte dennoch einige Versuche, bis es wieder nur noch einen anerkannten Weltmeister gab. Sportlich gab es 2000 eine große Überraschung. Wladimir Kramnik löste Garri Kasparow als Weltmeister ab. Dem Titelverteidiger gelang dabei kein einziger Sieg, so dass er sich in die Reihe von Marshall, Janowski und Lasker einreihen musste. Wiedervereinigung 2006In der Heimat des Fide-Präsidenten Iljumschinow fand im Herbst 2006 endlich die Wiedervereinigungs-WM zwischen Wladimir Kramnik und Fide-Weltmeister Wesselin Topalow statt – die Zeit der Teilung war beendet. Durch die vereinbarten Privilegien blieb die WM einige Jahr lang kompliziert. Erst 2010 waren die verschiedenen Privilegien abgearbeitet. Der allgemeine Zyklus war inzwischen geändert worden: Bei den Zonenturnieren konnte man sich nun für den World Cup, also den Nachfolger der Ko-WM, qualifizieren. Kernstück der Qualifikation wurde aber eine zweijährige Grand-Prix-Serie. Diese sollte die Popularität der Turniere steigern, was jedoch nicht der Fall war. |
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