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caissa schach chronik - Weltmeisterschaft

Titelverteidigung zweiter Klasse?

WM 1929: Bogoljubow bleibt chancenlos

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Alexander Aljechin verteidigte seinen Titel bereits 1929, wartete damit also nicht so lange wie sein Vorgänger. In der Zwischenzeit war das Penicillin entdeckt und die Karibik vom ersten Hurrikan der Kategorie 5 heimgesucht worden. Während der Weltmeisterschaft gegen Boholjubow sollte es in New York zum Börsencrash kommen, dem Auftakt zur schweren Weltwirtschaftskrise.

Capablancas Gesuch wurde ignoriert

Die sensationelle Niederlage gegen Aljechin konnte dessen Vorgänger José Capablanca nicht auf sich sitzen lassen. Er brannte auf eine Revanche. Dass Aljechin dieser – wenn auch teilweise sicherlich nachvollziehbaren Gründen – aus dem Weg ging, wird ihm noch heute von vielen Schachfreunden vorgeworfen.

Oft wird behauptet, das Revanche-Match sei an der Forderung Aljechins gescheitert, 10.000 Dollar in Gold – genau die Summe, die einst Capablanca forderte – zu hinterlegen, die der Kubaner aber wegen des Börsencrashs nicht aufbringen konnte. Tatsächlich fand der große Crash jedoch erst während des WM-Kampfes zwischen Efim Bogoljubow und Alexander Aljechin statt. Er kann also allenfalls für spätere Ablehnungen ursächlich gewesen sein.

Bogoljubow war Fide-Champion

»Wenn ich Weiß habe, gewinne ich, weil ich Weiß habe. Wenn ich Schwarz habe, gewinne ich, weil ich Bogoljubow bin.«

Efim Bogoljubow

Sicherlich war Bogoljubow schwächer einzuschätzen als Capablanca. Er konnte mit seinem Angriffsspiel allerdings durchaus brillante Siege einfahren, überzog jedoch zuweilen das Risiko. Zu Bogoljubows Ehrenrettung sei auch daran erinnert, dass inzwischen die Fide gegründet worden war, die 1928 und 1928/29 jeweils eigene Turniere veranstaltet hatte. Beide hatte Efim Bogoljubow für sich entscheiden können. Man kann die WM 1929 also auch sehr wohlwollend als „Vereinigungskampf“ betrachten.

Efim Bogoljubow, der 1929 gegen Aljechin um den Titel spielen durfte, konnte außerdem auf einen Turniersieg 1928 in Bad Kissingen verweisen, bei dem er Capablanca hinter sich lassen konnte. Dies war ihm auch bereits 1925 beim Turnier in Moskau gelungen, bei dem außerdem noch Lasker ihm den Vortritt lassen musste. Efim Bogoljubow gehörte in den 1920er-Jahren zweifellos zu den stärksten Schachspielern der Welt. In der historischen Elo-Liste von 1927 hatte er sogar für kurze Zeit die Führung inne.

Aljechin gegen Bogoljubow

Aljechin gegen Bogoljubow

Wie auch immer: 1929 trat in verschiedenen deutschen und niederländischen Städten der Deutsche Efim Bogoljubow gegen Aljechin an. Beide hatten nicht nur ihre Wurzeln im russischen Zarenreich gemein, sondern wurden beide beim Ausbruch des Weltkrieges in Deutschland interniert, als sie am Turnier in Mannheim teilnahmen. Bogoljubow spielte aber bis in die 1920er-Jahre noch für die Sowjetunion, obwohl er in Deutschland geblieben und dort geheiratet hatte. Erst relativ kurze Zeit vor dem Wettkampf mit Aljechin wurde Bogoljubow deutscher Staatsbürger.

Die Weltmeisterschaft war auf 30 Partien angesetzt, bei denen sechs Siege eingefahren werden sollten.

Zunächst hielt Bogoljubow mit

Schon in der ersten Partie schienen die Skeptiker, die einen klaren Sieg Aljechins prognostiziert hatten, recht zu behalten, als Aljechin gleich seinen ersten Sieg einfahren konnte. Doch in den ersten sechs Partien in Wiesbaden konnte Bogoljubow den Wettkampf offen gestalten, es stand 2:2.

18. Partie nach 36.Td8

18. Partie nach 36.Td8

Die letzten beiden Partien in Wiesbaden gingen allerdings beide an Aljechin, so dass dieser mit 4:2 Siegen nach Heidelberg übersiedeln konnte. Hier waren drei Partien angesetzt, von denen der Weltmeister eine weitere für sich entscheiden konnte. Nach Berlin ging es also mit einem 7:4-Zwischenstand.

In der Niederlande macht Aljechin den Sack zu

Nachdem Aljechin in der 12. Partie noch erhöhen und damit den erforderlichen sechsten Sieg feiern konnte, fuhr danach Bogoljubow zwei Siege ein. Nach 17 Partien ging es weiter nach Den Haag. Durch zwei Siege hatte Aljechin seinen alten Vorsprung wieder hergestellt. In der ersten Partie von Den Haag setzte Bogoljubow allerdings nochmals ein Ausrufungszeichen und errang seinen letzten Sieg in diesem Wettkampf. Danach gewann Aljechin noch drei Partien und brachte dann mit drei Remis zwischen der 23. und 25. Partie seinen Vorsprung sicher über die Runden.

Klassische Weltmeisterschaften in der caissa schach-chronik

Chronik
WM
   > Klassische WM
      > Epoche 1886-1946
         > 1929

Finalergebnisse

6.9. bis 17.11.1929
Deutschland, Niederlande
Rechte Spalte: jeweiliger Spielstand
Alexander Aljechin
Alexander Aljechin
Frankreich
Efim Bogoljubow
Efim Bogoljubow
Deutschland
15½
1 1 0 1:0 14 0 1 8:6
2 ½ ½ 1½:½ 15 ½ ½ 8½:6½
3 ½ ½ 2:1 16 1 0 9½:6½
4 0 1 2:2 17 1 0 10½:6½
5 1 0 3:2 18 0 1 10½:7½
6 0 1 3:3 19 1 0 11½:7½
7 1 0 4:3 20 ½ ½ 12:8
8 1 0 5:3 21 1 0 13:8
9 ½ ½ 5½:3½ 22 1 0 14:8
10 1 0 6½:3½ 23 ½ ½ 14½:8½
11 ½ ½ 7:4 24 ½ ½ 15:9
12 1 0 8:4 25 ½ ½ 15½:9½
13 0 1 8:5  

Download/Nachspielen der Partien des Zyklus

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WM-Epoche 1886 - 1946

Bis zum Tode Aljechins wählte der jeweilige Weltmeister seinen Herausforderer selbst aus. Hierbei spielten oft auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Die Regeln der einzelnen Wettkämpfe wurden jeweils individuell vereinbart.

WM aktuell

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Vorteil Radjabov
Vorne weiter Eljanow

Aktuelle Weltmeisterschaften
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Quellen und mehr Informationen

Mark WeeksThe Week in ChessChessBaseBrasilBase und zahlreiche Printmedien.

Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bilder: unbekannt (Marshall, gemeinfrei Details), unbekannt (Aljechin gegen Bogoljubow, Details), Rainer Osenberg (Brett, gemeinfrei Details), unbekannt (Aljechin, gemeinfrei Details), unbekannt (Capablanca, cc-by-sa 3.0 de Details)

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