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caissa schach chronik - WeltmeisterschaftAljechins SchaulaufenWM 1934: Bogoljubow erneut chancenlos Bevor Aljechin und Bogoljubow zum zweiten Mal gegeneinander um den Titel kämpften, war der Pluto entdeckt, das Empire State Building eingeweiht und die erste Fussball-WM ausgespielt worden. In China waren bei der Überschwemmung des Jangtse rund 1,4 Millionen Tote zu beklagen. Auch über Deutschland braute sich nach 6 Millionen Arbeitslosen 1932 die nächste Katastrophe zusammen: Adolf Hitler war zum Reichskanzler ernannt worden. Bei der anschließenden Reichtagswahl stimmten fast 44% der Wähler für seine Partei. Hitler ging direkt „in die Vollen“, rief zum Boykott jüdischer Geschäfte auf, ließ Bücher verbrennen und das Konzentrationslager in Dachau bauen. Albert Einstein gehörte zu den Ersten, die das Weite suchten, viele Dichter und Denker sollten folgen. Bogoljubow Aussenseiter – nicht nur beim SchachAnzeige
José Capablanca forderte hartnäckig eine Revanche gegen Aljechin, die ihm aber weiterhin nicht gewährt wurde. Nun brachte Capablanca nach dem „Schwarzen Freitag“ und seinen Folgen wohl wirklich nicht mehr das vom Weltmeister geforderte Preisgeld zusammen. Neben dem entthronten Weltmeister José Capablanca kam auch eine ganze Generation junger, aufstrebender Schachgrößen für ein Match um den Weltmeistertitel in Frage, z.B. Paul Keres, Michail Botwinnik oder Reuben Fine. Doch Aljechin entschied sich, erneut gegen Efim Bogoljubow anzutreten, was die Mehrzahl der Schachexperten ihre Stirn runzeln ließ. Diesmal konnte Bogoljubow nicht einmal darauf verweisen, kurz davor zum Fide-Champion gekürt worden zu sein. Nicht einmal an der „Meisterschaft von Deutschland“ durfte er noch teilnehmen. Nach Hitlers Machtergreifung hatten sich die Zeiten geändert: Bogoljubow galt nun zwar noch als deutscher Staatsangehöriger, aber nicht mehr als „deutschen Blutes“. Den Faschisten wäre es im Falle eines Sieges aber sicherlich gelungen, auch den Sieg Bogoljubows propagandistisch auszuschlachten. Chancenloser Zug durch deutsche Lande»Ich zwinge meine Gegner, mit jedem Zug selbständig zu denken.« Alexander Aljechins Erfolgsrezept Doch eine Siegchance räumte wohl niemand Bogoljubow ernsthaft ein. Die Spielbedingungen waren die gleichen wie fünf Jahre zuvor: 30 Partien mit mindestens sechs Siegen. Gespielt wurde in zwölf deutschen Städten: Baden Baden, Villingen, Freiburg, Pforzheim, Stuttgart, München, Bayreuth, Bad Kissingen, Nürnberg, Karlsruhe und Berlin. Das Ende fand die WM ausgerechnet in der Berliner Krolloper, in der der inzwischen nur noch aus Nationalsozialisten bestehende Reichstag tagte. Der Wettkampf begann im Kurhaus Baden-Badens, und bereits die erste Partie brachte einige Aufregung. Nach der Wiederaufnahme der Partie – nach 40 Partien wurde jeweils als Hängepartie abgebrochen – hatte Bogoljubow Gewinnchancen, die jedoch nicht zuletzt durch eine falsche Remisreklamation Aljechins zunichte gemacht wurden. Dieser verwies auf eine vermeintliche dreifache Stellungswiederholung. Der Schiedsrichter gab Remis. In der 2. Partie patzte Bogoljubow in Zeitnot und verlor. Vor dem Umzug nach Villingen kam es zu einem weiteren Remis, jedoch einer bemerkenswerten Neuerung Aljechins, die nach ihm benannt wurde und ihren eigenen Eröffnungsschlüssel erhielt. In Villingen setzte sich das Match zu Ungunsten Bogoljubows fort. Im Vorteil patzte er erneut und musste eine weitere Niederlage hinnehmen. Auch in der 5. Partie konnte er seinen Vorteil nicht in einen Sieg ummünzen. Auch in Freiburg, wo der Wettkampf als nächstes Station machte, konnte Bogoljubow nicht punkten. In der 8. Partie spielte er bis zum Endspiel ausgezeichnet, um dann im Turmendspiel „stümperhaft“ – so Diemer – zu agieren. In der 9. Partie überraschte Aljechin seinen Gegner wieder mit einer Neuerung, die letztlich zu einem weiteren Sieg führte. Erst in der 10. Partie, gespielt wurde inzwischen im Pforzheimer Hotel Ruf, gelang Bogoljubow der erste Sieg.
16. Partie nach 29...Tg8 Es schien fast, als habe Bogoljubow nun ins Match gefunden, doch gleich im Anschluss ging es in Stuttgart weiter wie gehabt: statt zwei möglichen Punkten in den Partien 11 und 12 gab es für den Herausforderer nur einen halben Punkt. In München folgten dann zunächst drei Remis, bevor nach Bayreuth aufgebrochen wurde. Dort fuhr Aljechin sogleich den nächsten Sieg ein. Nach einer Wettkampfpause legte Aljechin mit Schwarz in Bad Kissingen sogleich nach. Die WM war längst entschieden.
In der Krolloper fiel die Entscheidung Es dauerte bis zur 23. Partie, bis Bogoljubow einen weiteren Sieg feiern konnte. Zuvor hatte er in der 21. wieder einmal eine gewonnene Stellung verloren. In Mannheim verkürzte der Deutsche mit seiner vermutlich besten Wettkampfleistung auf 9:14. In Partie 24 legte Bogoljugow sogar noch einen weiteren Sieg nach, jedoch viel zu spät. Er durfte im Wettkampf nur noch einen halben Punkt verlieren, um seine Hoffnung zu erhalten. Zur 25. Partie wurde in der Berliner Krolloper angetreten, die inzwischen auch als deutsches Parlament genutzt wurde. Aljechin gewann die Partie mit schwarzen Steinen und sicherte sich somit souverän die Titelverteidigung. Die 26. Partie, die remis endete, wurde noch gespielt, womit Aljechin auch als Sieger des Zweikampfes feststand. Bogoljubows beste Zeit war vorbeiBogoljubow hatte bei dieser WM viele Chancen ausgelassen. Das Endresultat wurde letztlich den Leistungen beider Spieler nicht gerecht. Die Partien waren von beiden Seiten scharf geführt worden, doch auch Aljechin hatte sicher schon besser gespielt als bei dieser WM. Diesman genügte es tatsächlich, die gegnerischen Fehler abzuwarten und auszunutzen. Die Zeiten für Efim Bogoljubow nach der erneuten Niederlage dürften nicht leicht gewesen sein. Wie gesagt, durfte er aufgrund seiner Herkunft an Deutschen Meisterschaften nicht mehr teilnehmen, doch gewann er einige andere Turniere. Sein fehlendes „deutsches Blut“ hinderte die Faschisten jedoch nicht daran, ihn als Dolmetscher in den besetzten polnischen Gebieten einzusetzen, was ihm letztlich wiederum die Fide übel nahm. Nach dem II. Weltkrieg versuchte sich Bogoljubow als Schachprofi mehr schlecht als recht durchzuschlagen. Er starb schließlich 1952 nach der Rückkehr von einem Turnier in Belgrad. |
Chronik
Finalergebnisse
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WM-Epoche 1886 - 1946 Bis zum Tode Aljechins wählte der jeweilige Weltmeister seinen Herausforderer selbst aus. Hierbei spielten oft auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Die Regeln der einzelnen Wettkämpfe wurden jeweils individuell vereinbart. WM aktuell Topalow droht mit Ausstieg Aktuelle Weltmeisterschaften Quellen und mehr Informationen Mark Weeks • The Week in Chess • ChessBase • BrasilBase und zahlreiche Printmedien. Rechte an dieser Seite Text: Rainer Osenberg, Bilder: unbekannt (Marshall, gemeinfrei Details), Rainer Osenberg (Brett, gemeinfrei Details), unbekannt (Krolloper, cc-by-sa 3.0 de Details), unbekannt (Aljechin, gemeinfrei Details), unbekannt (Bogoljubow, Details) Diese Seite merken |
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| chronik WM Klassische WM Epoche 1886-1946 1934 | © 2007-2010 Rainer Osenberg | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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