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caissa schach chronik - Weltmeisterschaft

Euwe schlägt Aljechin

WM 1935: Der Weltmeister unkonzentriert

Max-Euwe-Denkmal

Ein Denkmal für Euwe

Bis zur nächsten Weltmeisterschaft zwischen Aljechin und Euwe verschärfte sich die Lage in Deutschland. Die Nürnberger Rassengesetze wurden eingeführt, der Homosexuellenparagraph verschärft. Die Allgemeine Wehrpflicht wurde wieder eingeführt, die Armee auf mehr als eine halbe Millionen Soldaten ausgeweitet. Die Welt schaute aber weiterhin nur zu.

Wieder ein Außenseiter

Zweimal hatte Alexander Aljechin seinen Titel nun gegen den Deutschen Efim Bogoljubow verteidigt, doch die Schachwelt hätte ihm ein drittes Mal wohl kaum verziehen.

So wählte er für den dritten Auftritt als Weltmeister einen neuen Gegner, den Niederländer Max Euwe. Dieser hatte zuvor zweimal gegen Bogoljubow verloren, während Ex-Weltmeister Capablanca weiter auf seine Revanche hoffte. Auch die jungen Spieler wie Bogoljubow hofften weiterhin vergebens auf ihre Chance.

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Check, aber kein Mate

Statt auf eine gute Vorbereitung setzte Aljechin auf die Kräfte seines Siamkaters Check, der bei allen Partien dabei war, später auch noch auf Horoskope. Sein Tabak- und vor allem Alkoholkonsum sollen seinem Heimweh nach der russischen Heimat geschuldet gewesen sein. Wie auch immer, Aljechin war zweifellos bei der Weltmeisterschaft nicht in seinem Zenit.

Ort der Handlung waren verschiedene niederländische Städte, das Reglement entsprach dem der letzen Meisterschaften: 30 Partien mit sechs Siegen.

Der Auftakt lief nach Plan

Die ersten drei Partien wurden jeweils von den weißen Spielern gewonnen, bevor Aljechin bei der vierten und letzten Partie in Amsterdam seinem Kontrahenten mit schwarzen Steinen einen Punkt abknöpfen konnte. Mit seiner 3:1-Führung ging es weiter nach Delft, und es schien wieder der erwartet sichere Sieg für Aljechin zu werden. In der 7. Partie vergrößerte er seinen Vorsprung gar auf drei Punkte.

»Man kann eben nicht gewinnen, wenn der Gegner keine Gelegenheit dazu gibt.«

Alexander Aljechin

In der achten Partie verkürzte Euwe zwar, doch konnte Aljechin den alten Vorsprung sogleich wieder herstellen. Doch die achte Partie war der Auftakt zu einer Serie von vier Partien mit weißen Steinen, die Euwe gewinnen konnte, während Aljechin als Anziehender jeweils nur Remis zustande brachte. Nach 15 Partien, also zur Halbzeit, stand es somit 7½:7½.

Nach der Halbzeit kam Euwe

In die zweite Hälfte startete Aljechin mit einem Sieg mit schwarzen Steinen und beendete somit seine schwarze Serie. In der 19. Partie erhöhte er seinen Vorsprung dann sogar wieder auf zwei Punkte. Doch nun schlug die Stunde des Niederländers.

26. Partie nach 46.Se4

26. Partie nach 46.Se4

Bis zur 22. Partie konnte Euwe mit zwei Weißsiegen ausgleichen, bevor er in der 25. erstmals den mit Weiß spielenden Aljechin schlagen konnte und auch erstmals im Wettkampf in Führung ging. Mit der 26. Partie schlug Euwe jedoch das „Sahnehäubchen“ auf diese Weltmeisterschaft, das als „Perle von Zandvoort“ in die Schachgeschichte eingehen sollte. Die Stellung nach dem 32. weißen Zug wurde gar auf einer Briefmarke zu Ehren Euwes verewigt.

In der 27. Partie verkürzte Aljechin zwar noch einmal, doch Euwe brachte mit drei Remis den Gesamtsieg über die Runden. Aljechin hatte sich bei der Auswahl seines Gegners verkalkuliert.

Euwe berichtete viel später, dass er Aljechins Eröffnungen als dessen besondere Stärke identifziert und er daraufhin monatelang Eröffnungen studiert habe.

Klassische Weltmeisterschaften in der caissa schach-chronik

Chronik
WM
   > Klassische WM
      > Epoche 1886-1946
         > 1935

Finalergebnisse

3.10. bis 15.12.1935
Niederlande
Rechte Spalte: jeweiliger Spielstand
Alexander Aljechin
Alexander Aljechin
Frankreich
Max Euwe
Max Euwe
Niederlande
14½ 15½
1 1 0 1:0 16 1 0 8½:7½
2 0 1 1:1 17 ½ ½ 9:8
3 1 0 2:1 18 ½ ½ 9½:8½
4 1 0 3:1 19 1 0 10½:8½
5 ½ ½ 3½:1½ 20 0 1 10½:9½
6 ½ ½ 4:2 21 ½ ½ 11:10
7 1 0 5:2 22 0 1 11:11
8 0 1 5:3 23 ½ ½ 11½:11½
9 1 0 6:3 24 ½ ½ 12:12
10 0 1 6:4 25 0 1 12:13
11 ½ ½ 6½:4½ 26 0 1 12:14
12 0 1 6½:5½ 27 1 0 13:14
13 ½ ½ 7:6 28 ½ ½ 13½:14½
14 0 1 7:7 29 ½ ½ 14:15
15 ½ ½ 7½:7½ 30 ½ ½ 14½:15½

Download/Nachspielen der Partien des Zyklus

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WM-Epoche 1886 - 1946

Bis zum Tode Aljechins wählte der jeweilige Weltmeister seinen Herausforderer selbst aus. Hierbei spielten oft auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Die Regeln der einzelnen Wettkämpfe wurden jeweils individuell vereinbart.

WM aktuell

Topalow droht mit Ausstieg
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Vorteil Radjabov
Vorne weiter Eljanow

Aktuelle Weltmeisterschaften
im caissa schach-magazin

Quellen und mehr Informationen

Mark WeeksThe Week in ChessChessBaseBrasilBase und zahlreiche Printmedien.

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Text: Rainer Osenberg, Bilder: unbekannt (Marshall, gemeinfrei Details), Luijt, Wikimedia (Euwe-Denkmal, cc-by 2.5 NL Details), Rainer Osenberg (Brett, gemeinfrei Details), unbekannt (Aljechin, gemeinfrei Details), unbekannt (Euwe, Details)

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