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caissa schach chronik - Weltmeisterschaft

Karpow ganz souverän

WM 1981: Das Massaker von Meran

Im Jahr der Weltmeisterschaft, 1981, wurde Francois Mitterand Präsident Frankreichs und hatte die Ehre, den Hochgeschwindigkeitszug TGV einzuweihen, während die Amerikaner erstmals den Space Shuttle ins All und MTV in den Äther brachte. IBM präsentierte derweil seinen Personal Computer der Öffentlichkeit. Diese interessierte sich damals aber noch mehr für die Traumhochzeit von Prinz Charles und Lady Diana. Geprägt war das Jahr vor allem durch die Friedensbewegung. Ronald Reagan war im Januar als US-Präsident vereidigt worden und hatte inzwischen den Bau der Neutronenbombe angeordnet. Der immer schärfere Kalte Krieg brachte immer mehr Menschen auf die Straße, die noch keine Ahnung davon hatten, dass das letzte Jahrzehnt des Kalten Krieges bereits angebrochen war.

Michail Tal trumpft noch einmal auf

Kurhaus in Meran

Im Meraner Kurhaus fand die WM statt

Ein Jahr nach der legendären WM von Baguio fanden die Interzonenturniere als erste globale Qualifikationsrunde für die nächste Schachweltmeisterschaft statt. Im sowjetischen Riga demonstrierte Altmeister Michail Tal noch einmal seine ganze Stärke und lag mit 14 Punkten klar vor Landsmann Lew Polugajewski. Den dritten Platz für das Kandidatenturnier errang im Stechen der Ungar Andras Adorjan. In Rio de Janeiro setzte sich punktgleich mit 11½ Punkten das Trio Lajos Portisch, Tigran Petrosjan und Robert Hübner durch.

Boris Spasski als Unterlegener des vormaligen Kandidatenfinals und Viktor Kortschnoi als Unterlegener der letzten WM waren für das Kandidatenturnier automatisch qualifiziert, das natürlich gerade aus deutscher Sicht durch die Teilnahme Robert Hübners von besonderem Interesse war. Dieser schaltete im niedersächsischen Bad Lauterberg zunächst den Ungarn Andras Adorjan mit 5½:4½ Punkten aus. Dessen Landsmann Lajos Portisch hatte mehr Glück. In Mexiko City stand es gegen Spasski nach dem Tiebreak 7:7. Die mehr gewonnene Partie mit Schwarz gab letztlich den Ausschlag für das Weiterkommen des Ungarn.

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Mit Michail Tal erwischte es gegen dessen Landsmann Polugajewski einen weiteren früheren Weltmeister: 2½:5½ hieß es am Ende in Alma Ata. Im österreichischen Velden schied außerdem Tigran Petrosjan einmal mehr gegen Viktor Kortschnoi aus. Schon jetzt war also klar, dass Karpow in jedem Fall von einem Spieler herausgefordert werden würde, der bisher noch nie Weltmeister war.

Hübner unterliegt im Kandidatenfinale

Im Kandidatenhalfinale in Buenos Aires rang Kortschnoi Polugajewski mit 7½:6½ nieder und qualifizierte sich ebenso für das Kandidatenfinale wie der Kölner Robert Hübner, der im italienischen Abano Terme gegen Portisch mit 6½:4½ die Oberhand behielt. Mit diesem Erfolg stieß Hübner auf Platz 3 der Weltrangliste hinter Karpow und Kortschnoi vor. Gegen letzteren hatte er nun in Meran die Chance auf das WM-Finale.

Eine ganze Weile sah es gut aus für den Deutschen, der gleich die erste Partie für sich entscheiden und nach dem sofortigen Ausgleich die 4. Partie mit schwarzen Steinen gewinnen konnte. Doch Viktor Kortschnoi gewann die 7. und 8. Partie und drehte den Spieß um. Während die Hängepartien 9 und 10 noch offen waren, gab Hübner den Wettkampf auf, und Viktor Kortschnoi hatte sich erneut das Recht erspielt, gegen Karpow um den Weltmeistertitel zu spielen.

Unruhe diesmal „nur“ im Vorfeld

»Der Junge hat
keine Ahnung vom Schach,
und er wird in diesem Beruf
keine Zukunft haben.«

Michail Botwinnik
über den 12-jährigen Anatoli Karpow

Allem politischen Bewusstsein zum Trotz dominierte der „Ententanz“ die deutsche Hitparade, als Karpow und Kortschnoi ab dem 1. Oktober 1981 erneut aufeinander trafen. Viktor Kortschnoi – inzwischen Schweizer – hatte die Öffentlichkeit der WM dazu genutzt, auf die Situation seiner immer noch festgehaltenen Familie aufmerksam zu machen. Er wollte nicht spielen, solange die Familie nicht zu ihm gelassen würde. Das eigentlich für den 19.9. geplante Auftaktspiel wurde daraufhin verschoben, woraufhin der sowjetische Schachverband energisch protestierte.

Neben Meran, das von Kortschnoi als Austragungsort bevorzugt wurde, hatte auch das kanarische Las Palmas eine ernstzunehmende Bewerbung eingereicht, die wiederum von Karpow bevorzugt wurde. Das Preisgeld in Las Palmas wäre auch um 200.000 Schweizer Franken höher gewesen als die 800.000 Franken in Meran. Schließlich fiel die Entscheidung per Los.

Am 1.10. ging es endlich los, und das „Massaker von Meran“ nahm seinen Lauf. Bis zum 8. Zug entsprach die 1. Partie der ersten der letzten WM, bevor Kortschnoi variierte. Karpow konterte und ging am Ende als Sieger aus der ersten Partie hervor. Mit den weißen Steinen legte der Weltmeister sofort nach und entschied auch die 2. Partie für sich. Nach einem Remis in der dritten Partie, legte Karpow in der vierten gleich das 3:0 nach – auch diesmal zählten nur Siege, deren sechs erforderlich waren. Der entsetzte Kortschnoi nahm seine erste Auszeit.

In der 6. Partie hatte Karpow fast schon die Chance, den Sack zuzumachen, doch Kortschnoi schlug zurück und brachte seinerseits seinen ersten Punkt unter Dach und Fach. Die 7. Partie war eine besonders scharfe, die letztlich im Remis endete, obwohl mancher Analyst Kortschnoi im Vorteil sah. In der 8. Partie brachte sich Kortschnoi einmal mehr in Zeitschwierigkeiten, rettete sich aber ins Remis.

9. Partie nach 35...e5

9. Partie nach 35...e5

Die 9. Partie brachte den Ausbau der karpowschen Führung auf 4:1. Kortschnoi hatte sich vielleicht ein wenig zu sehr darauf konzentriert, das Spiel zu verkomplizieren, Karpow nutzte seinen Materialvorteil eiskalt. Es folgten interessante Partien, die jedoch im Remis endeten. In der 13. Partie bäumte sich Kortschnoi noch einmal auf: Im 29. Zug fand Karpow nicht den idealen Zug, um das Remis zu sichern, und Kortschnoi gewann die Dame für einen Turm und einen Springer. Am Ende reichte es, den Spielstand auf 2:4 zu verkürzen.

Karpows Antwort folgte jedoch auf dem Fuße. Beim Spanier überraschte der Weltmeister seinen Kontrahenten und sicherte das 5:2. Nun fehlte nur noch ein Punkt, um erneut den Titel zu verteidigen. Diesen holte Karpow schon in der 18. Partie. Am Tag nach der Vertagung der Partie richtete Kortschnoi – den Gepflogenheiten der beiden Kontrahenten entsprechend – über den Schiedsrichter seine Gratulation an den Sieger „und die gesamte sowjetische Delegation für ihre großartige elektronische Technologie“ aus. Das „Massaker von Meran“ endete 6:2 für Karpow.

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Klassische Weltmeisterschaften in der caissa schach-chronik

Chronik
WM
   > Klassische WM
      > Epoche 1948-1990
         > 1981

Finalergebnisse

1.10. bis 19.11.1981
Meran, Italien
Rechte Spalte: jeweiliger Spielstand, Remis zählten nicht
Anatoli Karpow
Anatoli Karpow
Sowjetunion
Viktor Kortschnoi
Viktor Kortschnoi
Schweiz
6 2
1 1 0 1:0 10 = = 4:1
2 1 0 2:0 11 = = 4:1
3 = = 2:0 12 = = 4:1
4 1 0 3:0 13 0 1 4:2
5 = = 3:0 14 1 0 5:2
6 0 1 3:1 15 = = 5:2
7 = = 3:1 16 = = 5:2
8 = = 3:1 17 = = 5:2
9 1 0 4:1 18 1 0 6:2

Download/Nachspielen der Partien des Zyklus

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WM-Epoche 1948-1992

Ab 1948 wurde die WM vom Weltverband Fide organisiert. Die Zyklen bestanden in dieser Zeit aus vier Stufen: Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturnieren sowie Finale. Die Regeln der einzelnen Zyklen unterschieden sich in – oft nicht unwesentlichen – Details. Mit der Doppel-WM 1993 endete die Epoche.

WM aktuell

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Text: Rainer Osenberg, Bilder: unbekannt (Gorbatschow, gemeinfrei Details), stephantom (Meran, cc-by-sa 2.5 Details), Rainer Osenberg (Brett, gemeinfrei Details), Bild nicht vorhanden, unbekannt (Kortschnoi, Details), Simon Koopmann (Luzern, cc-by-sa 2.5 Details), Jim Watson (Ground Zero, gemeinfrei Details), Vincent_E (Rio, gemeinfrei Details)

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