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caissa schach chronik - WeltmeisterschaftKasparow wahrer WeltmeisterWM 1993: Sieg gegen Nigel Short Auch die Zeit zwischen den WM 1990 und 1993 waren ereignisreich: Die Sowjetunion und die Tschechoslowakei hörten auf zu existieren und zerfielen. Dies galt auch für Jugoslawien, wo es aufgrund dessen zu einem jahrelangen grausamen Krieg kam. Deutschland wurde von zahlreichen Anschlägen gegen ausländische Mitbürger wie z.B. in Rostock und Solingen erschüttert. In den USA, wo Bill Clinton Präsident wurde, war ein - mehr oder weniger fehlgeschlagenes - Attentat auf das World Trade Center zu beklagen.
Zunächst war alles ganz normalZunächst nahm alles seinen geregelten Gang: Zonen-, Interzonen-, Kandidatenturnier. Erst vor der Weltmeisterschaft sollten die Dinge eskalieren, was eine jahrelange Teilung der Schachwelt bedeuten sollte.
Spielort Savoy Theater 1881 Einzige Besonderheit beim Interzonenturnier im philippinischen Manila war, dass ein Schweizer Turnier über die Qualifikation zum Kandidatenturnier entscheiden sollte. 64 Spieler kämpften 13 Runden lang um die elf freien Plätze. Fünf Sowjets, nämlich Boris Gelfand, Leonid Judassin, Sergei Dolmatow, Alexei Drejew und Wassyl Iwantschuk qualifizierten sich ebenso wie Viswanathan Anand (Indien), Nigel Short (England), Gyuala Sax (Ungarn), Viktor Kortschnoi (Schweiz), Robert Hübner (Deutschland) und Predrag Nikolic (Jugoslawien). Timman, Speelman und Jussupow waren für das Kandidatenturnier gesetzt, Anatoli Karpow wartete im Viertelfinale. Aus deutscher Sicht kam es gleich im Kandidatenviertelfinale in Sarajevo zur Enttäuschung: Robert Hübner unterlag dem Niederländer Jan Timman mit 2½:4½. An gleicher Stelle siegte Boris Gelfand gegen den Lokalmatador Predrag Nikolic mit 5½:4½. Auch das nordholländische Wijk aan Zee erlebte zwei Matches: Kortschnoi schlug Sax mit 5½:4½, und der gesetzte Jussupow schlug Landsmann Dolamtow mit 6½:5½. Im erneuten englischen Derby zwischen Speelman und Short behielt in London diesmal letzterer knapp die Oberhand. Die anderen Matches endeten klar: in Madras siegte Anand gegen Drejew und in Riga Iwantschuk gegen Jussadin. Im Viertelfinale, das durchweg in Brüssel gespielt wurde, stieg Anatoli Karpow ein und siegte knapp gegen Viswanathan Anand. Sein alter Kontrahent Viktor Kortschnoi unterlag dem Niederländer Jan Timman mit 2½:4½. Komplettiert wurde das Halbfinale von Nigel Short, der gegen Boris Gelfand 5:3 gewann und Jussupow nach seinem 5½:4½ gegen Iwantschuk. Im spanischen Linares konnte Jan Timman mit 6:4 gegen Jussupow im Halbfinale triumphieren. Weitaus mehr beachtet wurde aber das Match Short gegen Karpow. Hier setzte sich der Brite gegen den Altmeister mit 6:4 durch. Kasparow antwortete auf die Frage, wer sein Gegner bei der nächsten WM sein würde: „It will be Short and it will be short.“ – den wichtigsten Schritt hatte der Genannte zumindest getan. Im Kandidatenfinale in San Lorenzo bestätigte Short die Einschätzung des Weltmeisters und besiegte Timman mit 7½:5½. Short und Kasparow sollten also um den Titel spielen – an sich ganz einfach, aber nun wurde es wirklich für viele Jahre kompliziert. Anzeige
Match of the year: Fide vs. PCAAnfang 1993 kam es zum Bruch zwischen Kasparow und Short einerseits und der Fide andererseits. Die beiden Spieler fühlten sich von der Fide nicht angemessen vertreten und störten sich am hohen Fide-Anteil des Preisgeldes. Short und Kasparow wollten das Match unter eigener Regie veranstalten und vermarkten und gründeten zu diesem Zweck die Professional Chess Association (PCA). Daraufhin entzog die Fide Kasparow den Weltmeistertitel und Short das Recht zur Herausforderung. Karpow und Timman als die letzten Unterlegenen beim Kandidatenturnier sollten nun um die Fide-Weltmeisterschaft kämpfen. Doch die Fide-WM zwischen Karpow und Timman soll hier nur insofern interessieren, als sie die absolut unprofessionelle Arbeit der Fide bestätigte. Die Fide schaffte es in den nächsten Jahren kaum, eine Veranstaltung ohne Pleiten, Pech und Pannen zustande zu bekommen. Nicht nur aus sportlichen, sondern auch aus organisatorischen Gründen betrachtet fast ein jeder damals wie heute die Fide-Weltmeister als „Weltmeister zweiter Klasse“. „… and it will be short“Im Londoner Savoy Theater spielten Garri Kasparow und Nigel Short um den PCA-Titel und ein Preisgeld von 1,7 Millionen Pfund – gut 4 Millionen D-Mark. Hauptsponsor der Veranstaltung war die Zeitung The Times. Parallel dazu spielten Timman und Karpow ihren Weltmeister im „Duell der Verlierer“ aus. Short galt als krasser Außenseiter, war selbst aber davon überzeugt, dass Kasparow eine sehr gute Vorbereitung benötige, um einen vorzeitigen Sieg Shorts zu verhindern. Auf Kasparows gute Vorbereitung schien Short jedoch zu bauen, als er sich in der 1. Partie gegen seine Spezialität, die Französische Verteidigung, entschied. Beide Spieler gerieten in erhebliche Zeitnot, Kasparow zog fehl und bot kurz darauf Short das Remis an, was dieser jedoch auf Gewinn stehend ablehnte. Bei seinem 39. Zug aber fiel Shorts Blättchen. Auch in der 2. Partie spielte die Zeit eine wichtige Rolle, doch diesmal einigte man sich auf ein Remis.
»Und es gibt Tony Miles bei 3½:½ In der 3. Partie hatten beide Spieler nach 25 Zügen weniger als eine Viertelstunde auf der Uhr. Es kam zu einem regen Austausch von Patzern. Am Ende gewann erneut der Weltmeister. In der darauffolgenden Partie versuchte Short auf Sieg zu spielen, verlor aber erneut. Nach vier Partien führte der Weltmeister mit 3½:½. Zumindest vom Spielstand her drohte Langeweile. In der 5. Partie war Short auf Kasparows Variante gut vorbereitet und erreichte ebenso ein Remis wie in der 6. Partie, als Short versuchte, aggressiv zu spielen, Kasparow aber nicht knacken konnte. Die 7. Partie ging erneut an Kasparow, der nun mit 5½:1½ führte und dies mit den Worten kommentierte, mancher Boxkampf dauere auch nur 1½ Minuten. Die 8. Partie wurde einmal mehr in Zeitnot fehlerhaft gespielt und endete mit einem Remis. In der 9. Partie patzte Kasparow in einem sicheren Endspiel und räumte Short somit die Möglichkeit zum Remis ein. Short konnte das „Geschenk“ aber nicht verwerten und verlor erneut.
10. Partie nach 29.c6 In der 10. Partie hatte Short nach 28 Zügen deutlich die Nase vorn. Doch Kasparow erkämpfte sich – mit freundlicher Unterstützung seines Gegners – noch das Remis, was den australischen GM Ian Rogers zur Aussage hinreissen ließ, Kasparow ließe Lazarus wie einen blutigen Anfänger aussehen. Nach fünf Remis in Folge war es erneut Kasparow, der einen vollen Punkt einfahren konnte. Er führte nun regelrecht demoralisierend mit 10½:4½. Zu allem Unglück war bei dieser WM erstmals vereinbart worden, auch nach einer Entscheidung die 24 Partien voll auszuspielen. Doch in der 16. Partie gelang Nigel Short endlich der erste – und einzige – Sieg in diesem einseitigen Match, das längst entschieden war. In der 18. und 19. Partie stand Kasparow vorteilhaft, ließ sich aber jeweils auf ein Remis ein. Mit dem Remis in der 20. Partie stand sein erneuter Titelgewinn fest. |
Chronik
Finalergebnisse
Download/Nachspielen der Partien des Zyklus Anzeige
WM-Epoche 1993 - 2005 Zwischen 1993 und 2005 wurden zwei parallele Weltmeisterschaften ausgetragen. Ursache war die Abspaltung der PCA von der Fide 1993. Schon den Zeitgenossen galt die WM der PCA bzw. der Nachfolgeorganisation Braingames als die wichtigere. Diese Ära endete erst durch die Wiedervereinigungs-WM 2006. WM aktuell Topalow droht mit Ausstieg Aktuelle Weltmeisterschaften Quellen und mehr Informationen Mark Weeks • The Week in Chess • ChessBase • BrasilBase und zahlreiche Printmedien. Rechte an dieser Seite Text: Rainer Osenberg, Bilder: Bob McNeely, White House (Clinton, gemeinfrei Details), unbekannt (London, gemeinfrei Details), Rainer Osenberg (Brett, gemeinfrei Details), Copyright 2007, S.M.S.I., Inc. - Owen Williams, Th (Kasparow, cc-by-sa 3.0 Details), unbekannt (Short, cc-by-sa 3.0 Details), Copyright 2007, S.M.S.I., Inc. - Owen Williams, Th (Kasparow gegen Karpow, cc-by-sa 3.0 Details), Amstuzmarco (Bern, gemeinfrei Details), Holger Ellgaard (Brandt, cc-by 3.0 Details) Diese Seite merken |
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| chronik WM Klassische WM Epoche 1993-2004 1993 | © 2007-2010 Rainer Osenberg | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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