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caissa schach chronik - Fide-Weltmeisterschaft

Anand endlich am Ziel

Fide-WM 2000 in Neu Delhi und Teheran

Im ersten Jahr des neuen Milleniums freute sich der deutsche Finanzminister über die Erlöse aus dem UMTS-Lizenverkauf und des Postbörsengangs. Das Volk dagegen war entsetzt über den Absturz der Concorde und den Brand der Gletscherbahn im österreichischen Kaprun.

Azadi-Monument in Teheran

Teheran

In der Masse setzt sich Klasse durch

Wladimir Kramnik hatte gerade Garri Kasparow nach 15 Jahren als Weltmeister im klassischen Schach entthront, als in Neu Delhi 100 Spieler an die Bretter gingen, um den neuen Fide- Weltmeister zu küren. Kasparow und Kramnik waren aus naheliegenden Gründen nicht dabei, so dass der Weltranglistenzweite, Viswanathan Anand, der Elo-Favorit war.

Gespielt wurde wieder im Ko-System, in dem die Gegner zwei Partien gegeneinander austrugen. Im Falle eines Unentschiedens fiel die Entscheidung im Schnellschach, zunächst über 25 Minuten, danach über 15 Minuten, jeweils mit einem Inkrement von zehn Sekunden je gespieltem Zug. Bei den regulären Spielen waren 100 Minuten für 40 Züge und 50 Minuten für die nächsten 20 Züge vorgesehen – plus einem Inkrement von 30 Sekunden je Zug. Notfalls sollte die Entscheidung im Blitz fallen, bei dem der erste Sieg entscheiden sollte. Weiß hatte hier vier, Schwarz fünf Minuten Bedenkzeit plus einem Inkrement von zehn Sekunden.

Angesichts der vielen Freilose und dem großen Leistungsunterschied der meisten Kontrahenten verlief die 1. Runde weitgehend unspektakulär. Das sollte sich in der 2. Runde jedoch ändern: Nigel Short, der Vizeweltmeister von 1993, musste sich Igor Nataf geschlagen geben, der Weltranglisten-Achte Wassyl Iwantschuk Jaan Ehlvest gratulieren.

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In der 3. Runde kam es zum Showdown zwischen dem Weltranglistenfünften Peter Leko und dem 90 Elo-Punkte schwächeren russischen Titelverteidiger Alexander Chalifman. In der zweiten Blitzpartie setzte sich der Russe durch. Ebenfalls Mühe hatte Alexei Schirow, der in der sechsten Partie den Sieg über Michail Gurewitsch einfuhr.

Im Achtelfinale fielen zwei Entscheidungen bereits in den regulären Partien. Titelverteidiger Chalfiman und Elo-Favorit Anand machten es schnell, die meisten anderen Entscheidungen fielen nach den ersten Schnellschachpartien. Nur Wesselin Topalow gegen Alexei Drejew benötigte die kürzeren Schnellschachpartien zum Weiterkommen.

Grischtschuk kämpft sich bis ins Halbfinale

Der junge Alexander Grischtschuk setztze auch im Viertelfinale seinen Siegeszug fort. Dem 88. der Rangliste gelang in vier Partien der Sieg über Vladislav Tkachiev. In den anderen Viertelfinals setzte sich jeweils der rating-stärkere Spieler durch. Schirow schlug Barejew, Adams Topalow und Anand den Titelverteidiger Khalifman.

Im Halbfinale fand Alexander Grischtschuk seinen Meister. Seine Auftaktniederlage mit Schwarz gegen Schirow konnte er zwar sofort ausgleichen, verlor dann aber erneut als Anziehender und verlor das Match. Viswanathan Anand genügte gegen Michael Adams ein Weißsieg zum Erreichen des Finales.

Dieses war auch sechs Partien angesetzt, doch es brauchte nur vier, so dass sich der Umzug in die iranische Hauptstadt Teheran kaum lohnte. Nach einem Auftaktremis ging Anand dreimal in Folge als Sieger vom Brett und sicherte sich die Meisterschaft. 1995 gegen Kasparow und bei der Fide-WM 1998 gegen Karpow hatte es jeweils nur zur Vizemeisterschaft gereicht.

Die Finalergebnisse

Spieler Pkt. 1 2 3 4
Viswanathan Anand (Indien) ½ 1 1 1
Alexei Schirow (Spanien) ½ ½ 0 0 0

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Hintergrund Fide-WM

Als sich Weltmeister Kasparow und sein Herausforderer Short 1993 weigerten, die WM unter der Fide zu spielen, teilte sich die Schachwelt, und für mehr als zehn Jahre wurden zwei Weltmeister ermittelt.

WM aktuell

Topalow droht mit Ausstieg
Radjobov ist Kandidat
Gashimov verpasst seine Chance
Vorteil Radjabov
Vorne weiter Eljanow

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Text: Rainer Osenberg, Bild: Iraninafilmstar (Teheran, cc-by-sa 3.0 Details)

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