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caissa schach chronik - Fide-Weltmeisterschaft

Kasimdzhanov siegt sensationell

Fide-WM 2004 in Tripolis

Das Jahr 2004 war einmal mehr ein Jahr, in dem gleich zwei Weltmeister ermittelt wurden. Es war auch das Jahr, indem Horst Köhler zum deutschen Bundespräsidenten gewählt und die Europäische Union um zehn neue Mitglieder erweitert wurden.

Oberst Gaddafi

Oberst Gaddafi hieß
fast jeden willkommen

Die umstrittenste WM aller Zeiten

Skandale und umstrittene Entscheidungen sind in der Schachwelt gang und gäbe. Doch wohl keine Weltmeisterschaft war derart umstritten wie die Fide-WM 2004, die in der libyischen Hauptstadt Tripolis ausgetragen wurde, als hätte die Fide vom „herzlichen“ Verhältnis Libyens zu Israel noch nichts gehört und auch bei der Olympiade in Dubai 1986 nichts gelernt. So fand das Turnier unter Ausschluss der israelischen Spieler statt. Dies wiederum führte zu solidarischen Boykottaktionen weiterer Spieler.

Einige Unstimmigkeiten zwischen Spielern und der Fide führten zu weiteren Absagen. Letztlich gingen aus der aktuellen Top Ten der Weltrangliste mit Michael Adams und Wesselin Topalow nur zwei Spieler an den Start.

Heftig kritisiert wurde weiterhin auch der Turniermodus. Bis zum Viertelfinale wurden nur zwei Partien gegeneinander ausgetragen, im Halbfinale dann vier und im Finale schließlich sechs. Im Zweifel wurden die Mini-Matches durch Schnell-, Blitzschach- und „Armaggedon“-Partien entschieden. Die Bedenkzeit betrug lediglich 90 Minuten für die ersten 40 Züge plus 15 Minuten für den Rest der Partie sowie ein Inkrement von 30 Sekunden pro Zug.

In Tripolis saßen also noch mehr „Namenlose“ an den Brettern als sonst bei einer Fide-WM üblich. In der ersten Runde freute sich mancher Spieler über ein Freilos – oder auch nicht. Überraschungen waren hier noch Mangelware: So schied Rafael Waganjan mit zwei Niederlagen gegen den Iraner Ehsan Ghaem Maghami aus. Für diesen war in der zweiten Runde Endstation. Er unterlag dem Usbeken Rustam Kasimdzhanov, der sich in Runde 1 schwer mit Alejandro Ramirez aus Costa Rica getan hatte.

Sein erstes Ausrufungszeichen setzte der Usbeke aber in Runde 3, als er den 12. der Rating-Liste, Wassyl Iwantschuk niederrang. Im Achtelfinale musste Zoltan Almasi mit zwei Niederlagen die Segel gegen Kasimdzhanov streichen.

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Viertelfinale der Unbekannten

Mit Wesselin Topalow und Michael Adams waren die beiden Elo-Favoriten des Turniers im Viertelfinale noch im Rennen, aus der April-Top-Twenty dazu noch Alexander Grischtschuk und Wladimir Akopjan. Der 31. und 44. der Rangliste, Teimour Radjabov und Rustam Kasimdzhanov waren bereits deutlich schwächer einzuschätzen, erst recht Leinier Dominguez und Andrei Charlow, deren kann über bzw. unter 2600 lag. Der Elo-Schnitt des Viertelfinals betrug gerade einmal 2675.

Eine klare Angelegenheit war das Mini-Match zwischen Topalow und Charlow. Auch Adams musste gegen Akopjan nicht in die Schnellschachpartien. Im Schnellschach setzte sich dagegen Rustam Kasimdzhanov gegen Alexander Grischtschuk durch. Teimour Radjabov musste gegen Dominguez gar ins Armaggedon, wo er das Remis halten konnte.

Im Halbfinale waren nun vier Partien mit – mehr oder weniger – normaler Bedenkzeit angesetzt. Gleich in der ersten Partie besiegte Michael Adams seinen Gegner Teimour Radjabov mit schwarzen Steinen. Drei Remis in den folgenden Partien genügten dem Favoriten, um ins Endspiel einzuziehen. Wesselin Topalow musste dagegen nach vier Remis gegen Rustam Kasimdzhanov nachsitzen. Und es kam noch schlimmer für den Bulgaren: Beide Schnellschachpartien gingen verloren.

Sensationeller Sieg Kasimdzhanovs

Als klarer Favorit ging Michael Adams ins Finale über sechs Partien. Nach dem Auftaktremis musste der Engländer jedoch in der ersten Schwarzpartie zum Sieg gratulieren. Adams konterte jedoch sofort und entschied die nächste Weißpartie für sich. Auch bei den nächsten beiden Partien ging Weiß als Sieger vom Brett. Die letzte reguläre Partie endete Remis. Die Entscheidung musste also im Schnellschach fallen. Hier gelang dem Außenseiter ein Sieg und ein Remis – die Sensation von Tripolis war perfekt.

Nach der Prager Abmachung von 2002 sollte der Fide-Weltmeister gegen Garri Kasparow ein Match austragen, der Sieger dann gegen den Sieger des Matches zwischen Wladmir Kramnik und Peter Leko um den vereinigten Weltmeistertitel spielen. Doch das Match zwischen Kasparow und dem neuen Fide-Weltmeister kam nie zustande.

Die Finalergebnisse

Spieler Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8
Rustam Kasimdzhanov (UZB) ½ 1 0 1 0 ½ 1 ½
Michael Adams (ENG) ½ 0 1 0 1 ½ 0 ½

Die Partien 7 und 8 wurden im Schnellschach ausgetragen.

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Hintergrund Fide-WM

Als sich Weltmeister Kasparow und sein Herausforderer Short 1993 weigerten, die WM unter der Fide zu spielen, teilte sich die Schachwelt, und für mehr als zehn Jahre wurden zwei Weltmeister ermittelt.

WM aktuell

Topalow droht mit Ausstieg
Radjobov ist Kandidat
Gashimov verpasst seine Chance
Vorteil Radjabov
Vorne weiter Eljanow

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Quellen und mehr Informationen

Mark WeeksThe Week in ChessChessBaseBrasilBase und zahlreiche Printmedien.

Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bild: Jesse B. Awalt (Gaddafi, gemeinfrei Details)

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