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Geschichte der Schnellschach-WM

Alle offiziellen Sieger

Viswanathan Anand

Viswanathan Anand,
„ewiger“ Schnellschach-Weltmeister

Schnellschach kam erst Ende der 1980er-Jahre in Mode. Grund war – wie sollte es anders sein – das größere Medieninteresse im Vergleich zum eher langwierigen klassischen Schach. Garri Kasparow und Nigel Short spielten 1987 in einer Londoner Discothek einen Schaukampf über sechs Partien. Da diese im Fernsehen gezeigt wurden, reagierte die Fide ohne Verzug. Sie empfahl die Ausrichtung von offiziellen Meisterschaften im Schnellschach inklusive der WM und nahm flugs entsprechende Regeln ins Handbuch auf.

Prompt fand vom 10. bis 17. Dezember 1988 auch die erste Weltmeisterschaft im Schnellschach statt, das damals aber noch als „Aktivschach“ bezeichnet wurde. 61 Teilnehmer spielten im mexikanischen Mazatlán im Schweizer System über 13 Runden die Vorrunde aus. Die Bedenkzeit betrug damals 30 Minuten für die gesamte Partie. Die acht besten Spieler qualifizierten sich für die Finalrunde, die im Ko-System gespielt wurde. Anatoli Karpow und Wiktor Gawrikow trafen im Finale aufeinander, das jedoch Unentschieden endete. Karpow wurde aufgrund seines besseren Vorrundenresultats erster Weltmeister.

Jahr Sieger
¹) nachträglich zur WM aufgewertet
1988 Anatoli Karpow Anatoli Karpow
Sowjetunion
1996¹ Alexei Schirow Alexei Schirow
Spanien
1997¹
1998¹
2000¹
2001¹
2002¹
2003
2003¹
2004¹
2005¹
2006
2007
2008
Viswanathan Anand Viswanathan Anand
Indien
1999¹ Garri Kasparow Garri Kasparow
Russland
2009 Lewon Aronjan Lewon Aronjan
Armenien

Keine WM, aber top besetzt

Mit großem Aufwand wurde am Pariser Champs Elysées die Trophée Immopar ausgespielt. Der Preisfond betrug mehr als 1.000.000 FF – gut 230.000 US-$. 16 Spieler traten im Ko-System gegeneinander an. 1991 gewann Jan Timman das Endspiel gegen Garri Kasparow, ein Jahr später siegte Kasparow im Blitz-Stechen gegen Viswanathan Anand. So attraktiv die Trophée Immopar für Spieler und Publikum gewesen sein mag, um eine Weltmeisterschaft handelte es sicht nicht. Trotz der hervorragenden Besetzung blieb auch im Nachhinein dieser „Ritterschlag“ verwehrt.

Genauso ging es dem Intel Grand Prix, einer Serie von jeweils vier Turnieren innerhalb eines Jahres in den Weltstädten Moskau, New York, London und Paris. Veranstalter war auf dem Höhepunkt ihrer Zeit die Professional Chess Association PCA. 1994 siegte Wladimir Kramnik in der Gesamtserie. Die Sieger der Einzelturniere waren neben ihm Anand, Iwantschuk und Kasparow. 1995 gewann Kasparow zwei Einzelturniere und die Serie. Iwantschuk und Adams entschieden die Turniere in Moskau bzw. London für sich.

Schnellschach-WM bei der Chess Classic

1996 entdeckte die Chess Classic Schnellschach für sich. Seitdem wird Jahr für Jahr im Match oder Turnier der beste Schnellschach-Spieler ermittelt. Bis 2000 wurde in Frankfurt am Main gespielt, danach erfolgte der Umzug nach Mainz. Erst im Nachhinein wurden die Chess-Classic-Sieger zu Weltmeistern „geadelt“.

Bei der ersten Ausgabe siegte Alexei Schirow, danach zweimal Viswanathan Anand. Damals konnte man noch nicht ahnen, dass seine Siegesserie 1999 durch Garri Kasparows Sieg lediglich unterbrochen werden würde.

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Große, auch mediale Beachtung erzielte die Chess Classic 2000. Die zehn besten Spieler der Welt trafen sich hier zum „bestbesetzten Turnier aller Zeiten“. In der Tat war die Top Ten der Weltrangliste vollständig versammelt, doch spielten in der Stadthalle Frankfurt-Zeilsheim „nur“ die besten sechs um den Schnellschachtitel: Kasparow, Anand, Kramnik, Schirow, Morosewitsch und Leko. Adams, Iwantschuk, Barejew und Topalow, die in der Rangliste folgenden Spieler spielten beim Masters in einem Bad Sodener Hotel.

Ab 2001 logierte die Chess Classic in Mainz, und Viswanathan Anand dominierte das Geschehen scheinbar nach Belieben. Ob Kramnik, Ponomarjow, Polgar, Schirow, Grischtschuk oder Radjabov – allesamt mussten sich in den Duellen mit dem Inder geschlagen geben. Als Radjabov 2006 mit 3:5 unterlegen war, galt das Match bereits als Weltmeisterschaft.

2003 hatte die Fide im französischen Cap d'Agde eine offizielle Weltmeisterschaft durchgeführt. Gespielt wurde in zwei Vorrundengruppen mit je acht Spielern. Die beiden besten der Gruppen spielten anschließend im Ko-System weiter. Das Finale entschied auch hier Viswanathan Anand für sich. Sein Endspielgegner war Wladimir Kramnik.

In Mainz wurde ab 2007 das Reglement dahin gehend geändert, dass nunmehr vier Spieler zunächst doppelrundig gegeneinander spielten und anschließend die beiden besten Spieler ein Finale gegeneinander austrugen. Auch bei diesem Modus behielt Anand die Übersicht und den Titel. 2007 musste sich Aronjan, 2008 Carlsen im Finale beugen.

Doch nach zehn Jahren, 2009, fand Anand seinen Meister. In der Vorrunde spielte er trotz eines vergleichsweise nicht so starken Teilnehmerfeldes erschreckend schwach und verpasste das Finale. Darin besiegte Lewon Aronjan den Russen Ian Nepomnjaschtschi.

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Schnellschach-WM-Hintergrund

Die Schnellschach-WM wird inzwischen im Rahmen des Chess Classic in Mainz ausgetragen. Die Bedenkzeit beträgt 20 Minuten plus 5 Sekunden pro Zug.

Spezial-WM aktuell

Carlsen holt den Titel
Anand zwei Punkte voraus
Aronjan ist Weltmeister
Anand entthront
Anand muss kämpfen

Aktuelle Chess960-WM
im caissa schach-magazin

Quellen und mehr Informationen

Chess Classic

Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bilder: unbekannt (Anand, gemeinfrei Details), Frank Hoppe (Karpow, gemeinfrei Details), unbekannt (Schirow, Details), unbekannt (Anand, Details), Copyright 2007, S.M.S.I., Inc. - Owen Williams, Th (Kasparow, cc-by-sa 3.0 Details), unbekannt (Aronjan, Details)

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Letzte Aktualisierung

6.6.2010, 21.51 Uhr

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