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WM in anderen Disziplinen

Schnellschach, Blitz und Chess960

Helmut Pfleger 2008

Helmut Pfleger,
das Gesicht zum Schach im TV

Bis tief in das 19. Jahrhundert wurden auch Turnierschachpartien ohne Bedenkzeit gespielt. So konnte sich eine Partie durchaus über einen ganzen Tag oder sogar zwei Tage erstrecken. Erst in der zweiten Jahrhungderthälfte machte man sich Gedanken über die Begrenzung und Messung der Bedenkzeit.

Über viele Jahrzehnte hinweg wurde die Zeitmessung immer genauer, die Bedenkzeit wurde immer kürzer und komplizierter. Dennoch dauerte eine Partie oft viele Stunden und musste oft vertagt werden. Letzteres wurde spätestens mit dem Aufkommen leistungsfähiger Schachcomputer zum Problem, da diese zur Analyse der Hängepartie hätten genutzt werden können.

Doch der Schuh drückte noch an anderer Stelle: Die Weltmeisterschaft 1972 zwischen Spasski und Fischer hatte ein riesiges Medieninteresse verursacht, wenn auch eher mittelbarer, als mancher Schachfreund dies wahr haben wollte. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben ist, dass in den 1970er-Jahren ein WM-Match wie Karpow gegen Kortschnoi im Fernsehen übertragen wurde. Doch für den Laien waren die Partien einfach zu lang und zu langatmig.

Die regelrechte Manie um das mediale Interesse am Schach führte in den 1980er-Jahren zu einem regelrechten Schnellschach-Boom. Die Partien waren dort wesentlich kürzer, erlaubten aber durchaus noch qualitatives Schach. Doch auch das Blitzschach wurde aus den Cafés und Vereinsheimen in die Turnierarena geholt. Die Hauptsache schien zu sein, Schach irgendwie in TV-gerechten Happen darzureichen. So war es nur konsequent, dass 1988 sowohl im Schnellschach als auch im Blitzschach die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen wurden.

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Die Schnellschach-WM hat mit den Jahren bei den Chess Classic in Mainz seine Heimat gefunden. Die Blitzschach-WM wird erst seit wenigen Jahren wieder ausgetragen. Betrachtet man die ursprünglichen Intentionen, ist die Entwicklung ernüchternd, nicht nur wenn man das Medieninteresse betrachtet, sondern auch, wenn man sich vor Augen führt, dass Schnell- und Blitzschach heute auch beim Kampf um die klassische Weltmeisterschaft eine wichtige Rolle spielen können. Andere haben Schnell- und Blitzschach als eigene Disziplinen verstanden und sich in dieser Nische breit gemacht. Das Amberturnier an der Cote d'Azur und die Chess Classic in Mainz sind hierfür die besten Beispiele.

Die Mainzer haben sich außerdem dem Chess960 verschrieben, das in den 1990er-Jahren aus ganz anderen Erwägungen entwickelt wurde. Kein geringerer als Bobby Fischer hatte diese Schachvariante kreiert, bei der die Anfangsaufstellung ausgelost wird. Fischer wollte damit das kreative Schach fördern. In Mainz findet die Chess960-WM statt, wie dort üblich mit Schnellschachbedenkzeit.

Schnell- und Blitzschach, Chess960 bei caissa

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Schnellschach-WM-Hintergrund

Die Schnellschach-WM wird inzwischen im Rahmen des Chess Classic in Mainz ausgetragen. Die Bedenkzeit beträgt 20 Minuten plus 5 Sekunden pro Zug.

Spezial-WM aktuell

Aronjan Blitz-Weltmeister
Drei Tage Blitz-WM
Lahno Blitzweltmeisterin
Wang Yue Studentenweltmeister
Elf GM und neun WGM

Aktuelle Chess960-WM
im caissa schach-magazin

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Text: Rainer Osenberg, Bilder: Ygrek (Pfleger, cc-by 3.0 Details)

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Letzte Aktualisierung

6.6.2010, 21.51 Uhr

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